Start Willkommen im Kirchenkreis Archiv Andachtsarchiv Artikel: Folge mir nach
Folge mir nach
Foto: privat
Bildrechte: privat

Folge mir nach

Andacht von Peter Krause, Pfarrer in Sachsenhausen

Bis zu 100 Konfirmandinnen und Konfirmanden unseres Kirchenkreises Oberes Havelland sind es, die an diesem Wochenende in Neuendorf zusammenkommen. „Folge mir nach“ lautet das Motto des diesjährigen Konfirmandencamps. In der Bibel wird erzählt, wie Jesus genau mit diesen Worten seine engsten Freunde ansprach. Er lud sie ein, sich mit ihm auf den Weg zu machen. Geht denn das? Einfach so alles hinter sich lassen und mitgehen? Was ist mit den ganzen eigenen Lebensplänen? Man hat es sich in seiner kleinen überschaubaren Welt doch gerade so gemütlich eingerichtet. Was ist mit den persönlichen Zielen, wie Karriere und dem materiellen Aufstieg? Wer von uns wäre bereit, nach einem kurzen Überlegen nur das Nötigste zusammenpacken und dann geht es auch schon los: „Ich gehe mit Jesus!“ Die Jünger damals wussten noch nicht einmal, wohin die Reise ging. Die Bibel berichtet, dass sich Menschen von Jesus einladen ließen trotz der ganzen Schwierigkeiten, die das mit sich brachte. Hatten sie gespürt – es irgendwie begriffen: Hier bei Jesus geht es um etwas viel Größeres als allein nur um persönlichen Wohlstand, die berufliche Karriere oder ein gemütliches Leben. In der Nähe von Jesus spürten sie, wie sich eine Hoffnung auftat - für sie persönlich aber sogar auch für die ganze Welt. Bei Jesus ging es nicht nur darum: Hiervon ein wenig mehr oder davon etwas weniger. Stattdessen hatten sie das Gefühl und später die Gewissheit, durch Jesus ist Gott mitten unter ihnen am Werk. Das machte ihnen Mut. Das gab ihnen Kraft. Das machte sie frei, neue Wege zu gehen und Großes zu wagen. Es war ein Neuanfang von Menschlichkeit gegen den Trend. Dass Jesus selbst für seine Worte und für die Hilfe, die er anderen zukommen ließ, angefeindet wurde, konnten seine Freunde zuerst nicht verstehen. Was kann daran falsch sein, sich für Frieden, Nächstenliebe, Gerechtigkeit und Gemeinsinn einzusetzen? Nicht nur von einer Hoffnung für die Welt zu reden, sondern auch etwas dazu beizutragen? War es nicht Gottes guter Geist, der die Menschen zueinander bringt? Unsere Zeit heute kommt da vielfach nüchtern und abgeklärt daher. Visionäre für eine gerechtere und friedlichere Welt sind selten heute? Lieber will man das halten, von dem man meint: Es ist mein eigener Verdienst. Und die Folge: Statt Offenheit und Verständigung, Hilfe und Einsatz für eine bessere Welt werden Stimmen laut, die von Abschottung reden. Die eigene Meinung richtet sich nur danach, ob ich mir persönliche Vor- oder Nachteile ausrechnen kann. Menschen, die Jesus auf seinem Weg begegneten, waren von seinen Worten so ergriffen, dass sie mitgingen und das Wagnis auf sich nahmen. Erst waren es nur wenige. Dann wurden es mehr. Und auch als Jesus dann am Kreuz starb, spürten sie: Gottes Ruf, diesem Menschen Jesus nachzufolgen, geht weiter. So entstanden christliche Gemeinden. Und mehr und mehr entwickelte sich die große Weltreligion des Christentums. Auch heute sind Menschen weltweit von dem ergriffen, wofür Jesus steht. Menschen sind voller Hoffnung: Diese Welt muss nicht so bleiben, wie wir sie heute erleben. Menschen wollen Jesus nachfolgen und in seinem Namen auch für andere Menschen da sein, egal welche Not sich da vor ihnen auftut. Für eine christliche Nächstenliebe kann es keine Staatsgrenzen geben. Alle Menschen sind Gottes Geschöpfe und haben dadurch auch die gleiche Würde und das gleiche Recht, nicht vergessen oder abgeschrieben zu werden. Jesus war bereit zu helfen, wo man ihn dringlich darum bat. Sicher, unsere Kraft zur Hilfe hat Grenzen. Aber mit Gottvertrauen kann man sich darauf einlassen, bis an diese Grenzen zu gehen. Denn es geht um das Leben von Menschen. Und es geht um die Menschenfreundlichkeit unserer Welt!
„Folge mir nach!“ Ich bin gespannt auf die Diskussionen auf dem Konficamp an diesem Wochenende. Was heißt es wohl für junge Menschen heute, der Einladung Jesu zu folgen? Was kann unser aller Anteil daran sein, dass Frieden und Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und Freiheit wichtige Werte bleiben, die auch unsere Zukunft und auch die Zukunft vieler Menschen weltweit prägen?

Es grüßt Sie Ihr
Peter Krause, Pfarrer in Sachsenhausen
erstellt von Mathias Wolf am 23.09.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv