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Die Wahrheit über das Tintenfass
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Die Wahrheit über das Tintenfass

Andacht zum Reformationstag von Mathias Wolf, Pfarrer in Menz

Ich habe den Teufel mit Tinte vertrieben, dieser Ausspruch Luthers ist überliefert. Gern wird dazu die Geschichte erzählt, dass er eines Nachts mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen hätte. Jahrhundertelang hat man jedenfalls den Gästen auf der Wartburg einen Tintenklecks an der Wand gezeigt.
Luthers Ausspruch aber bezog sich auf seine schriftstellerische Tätigkeit: Auf die Bibelübersetzung und auf seine vielen Bücher.
Vom Teufel kam für Luther ein weitverbreiteter ängstlicher Glaube an einen rachsüchtigen und ewig strafenden Gott. Die Menschen hatten panische Angst vor der Hölle. Dagegen wies Luther nach, dass Christus einen barmherzigen und liebendenden Gott verkündigt hat.
„Allein durch das Wort, nicht durch Gewalt“ soll Veränderung geschehen, so predigte er gegen die Glaubenseiferer in Wittenberg, die alle Bilder und Kunstwerke zerstören wollten. Und in der dritten Strophe seines Liedes „Ein feste Burg“ heißt es:
„Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.“
Luther kämpfte zeitlebens dafür, dass die Menschen von einem Gott hörten, der allein aus Gnade den Menschen befreit. Ja – an manchen Stellen ist Luther auch übers Ziel hinausgeschossen. Auch Luther war ein Mann seiner Zeit. Judenhass und Frauenverachtung gehört zu dem, was wir heute nicht mehr teilen. Seine Grundbotschaft bleibt: Gott will euch nicht erschrecken und strafen.


Es grüßt Sie
Ihr Mathias Wolf, Pfarrer in Menz
erstellt von Mathias Wolf am 29.10.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv