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Friedensdekade
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Friedensdekade

Andacht von Pfarrer Andreas Domke, Zehdenick

Es gibt sie noch. Die Friedensdekade. Vielleicht erinnern Sie sich. Damals, in den 80er Jahren wurde das Zeichen „Schwerter zu Pflugscharen“ zum Symbol des Widerstandes gegen die Logik des „kalten Krieges“. Es wurde in der DDR verboten. Und wir bekamen mit, wie sehr dieses Zeichen und die Sehnsucht dahinter ins Schwarze getroffen hatte.
In den Jahren nach der friedlichen Revolution wurde es still um die Friedensdekade. Irgendwie war alles geklärt. Es gab keine Blöcke mehr. Aus Schwertern wurden Pflugscharen – der neue Begriff dafür war Konversion. Und die Friedensbewegung wurde ruhig. Was sollte sie auch sagen? Selbst von der NATO war kaum noch was zu hören. Man hatte seinen Feind verloren. Und etwas schlimmeres kann einem Militärs kaum passieren.
Heute hören wir wieder öfter von der NATO. Auch wird von einem neuen „kalten Krieg“ geredet. Die Säbel werden wieder hervorgekramt und machen mit ihrem Rasseln unheimlich Krach. Russland ist wieder „Mode“ - Am Rand Europas machen wir einen neuen alten Gegner aus. Erstaunlich, wie schnell wir wieder zurückfallen. Wollten wir nicht gemeinsam mit Russland das europäische Haus bauen?!
Mit Manövern und mit der Stationierung von Panzern – auch deutschen! - wird nun die alte Denkweise wieder stark.
Ich möchte mich an den Kopf fassen. Wie kommen Menschen auf die Idee, Frieden und Sicherheit gegeneinander zu suchen? Wie können wir meinen, dass es Sicherheit in Europa und in der Welt ohne Russland, Iran oder China geben könnte?
Das Säbelrasseln verkauft sich als sinnvolles Herangehen an strittige Fragen. Das kann doch nicht wahr sein, möchte ich rufen! Wer treibt uns dazu, gegen alle Vernunft und Menschlichkeit zu denken? So frage ich, und ich sehe die Opfer in den Nachrichten, Tag für Tag.
Die Friedensdekade beginnt am kommenden Sonntag. Zehn Tage soll der Frieden und die Suche nach Frieden Thema sein. Es sind zehn Tage gegen die Angst und gegen die Ohnmacht. Es sind leise zehn Tage. Zeit zum Beten. Es ist unsere Gelegenheit das Säbelrasseln und das kurze Denken infrage zu stellen. Beten hilft still zu werden. Und in der Stille wartet ein neues Denken.
Die Friedensdekade und unser neues Denken kann die Welt verändern. Zumindest unseren Blick auf die Welt. Ich lasse mir andere Menschen nicht als Feinde vorsetzen! Menschen, Völker und Kulturen mögen mir fremd sein. Ich brauche mich nicht mit schlechter Laune darum zu bemühen, sie weg zu hassen. Ich darf nach gemeinsamen Wegen suchen.
Mit der Kraft der Stille, so hoffe und bete ich, werde ich sicher. Und mit dieser Sicherheit kann ich mich dann mit anderen auseinandersetzen. So auch mit mir selbst und mit meiner Kultur. So viel Zeit darf sein! So viel Zeit muss sein.
Zehn Tage – Friede sei mit Ihnen!
erstellt von Mathias Wolf am 05.11.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv