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Buß- und Bettag
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Buß- und Bettag

Gedanken zum Tage zum Buß- und Bettag 2016 von Gernot Fleischer, Pfarrer in den Pfarrsprengeln Lychen und Bredereiche

Buß- und Bettag: Ein alter kirchlicher Feiertag. Im Kalender steht er noch, aber bedeutet er uns noch etwas? 1994 ist er als staatlicher Feiertag, an dem wir alle frei hatten, um einmal innezuhalten, uns zu besinnen und neu auszurichten, auf dem Altar der wirtschaftlichen Rentabilität zugunsten der Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafft worden. Heute feiern -recht unbeachtet- noch wenige Menschen am Abend in unseren Kirchen Andachten oder Gottesdienste. Ist der Buß- und Bettag, ist Beten noch aktuell?
Ich habe von einer Konfirmandengruppe gehört, die sich das auch gefragt und herausgefunden hat: Es gibt sie: Diese unzähligen feinen Fäden zwischen Himmel und Erde. Sie hat sie an einem Samstagmorgen auf dem Marktplatz entdeckt. Die Konfirmanden haben die Passanten dort interviewt mit der Frage: „Sprechen Sie mit Gott?“
Viele sagten zwar „Nein“, und einige machten sich über die Frage auch lustig. Andere Männer und Frauen, jünger oder älter, antworteten aber auch erstaunlich schnell und offen: „Ja.“ Und sie waren sich im Grunde so einig, als hätten sie sich abgesprochen:
Einer sagt: „Ja, ich bete, ganz egal wo, beim Joggen z. B.“ Eine andere: „Vor dem Schlafen gehen, ich spreche mit Gott über das, was am Tag passiert ist.“ Ein dritter: „Ich bete am Grab meines Vaters. Ich mach die Augen zu und bete innerlich. Dann spüre ich: Da gibt es noch etwas hinter unserer Welt.“ Genauso meint jemand: „Überall kann ich beten: im Bus, jetzt, zu Hause. Aber ich mach es nicht laut. Ich danke Gott und bitte ihn. Ich glaube an ihn und das gibt mir Kraft in meinem Alltag.“ Und schließlich sagt eine: „Wenn ich mit meinem Gewissen ringe, gehe ich damit zu Gott. Ich gestehe ihm auch, wenn ich Mist gemacht habe. Das befreit mich. Und es hilft mir, dass ich mich in Zukunft anders verhalte.“
Die Konfirmanden haben sich dadurch anregen lassen. Diese vielen Gesprächsfäden zu Gott haben sie motiviert, selber ein Gebet eines Menschen zu schreiben, der schon lange nicht oder noch nie zu Gott gebetet hat:
„Gott, ich weiß, ich bin dir nicht immer treu. Ich kann auch nicht immer an dich glauben. Aber ich möchte dich um deine Hilfe anrufen. Gib mir Kraft in den schwierigen Situationen meines Lebens. Ich möchte dir vertrauen lernen. Hilf mir, mich von Sachen oder Menschen zu trennen, die schlecht für mich sind. Darum bitte ich dich. Ich hoffe, dass du mich erhörst. Amen.“
Die Konfirmanden sind überzeugt: Beten ist noch immer aktuell. Es stützt und stärkt, es tröstet und schenkt Hoffnung - und es öffnet einem die Augen.

von Gernot Fleischer,
Pfarrer in den Pfarrsprengeln Lychen und Bredereiche
erstellt von Mathias Wolf am 17.11.2016, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv