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Hört doch mal zu!
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Hört doch mal zu!

Andacht von Pfarrer Christian Guth, Gransee

„Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstockt eure Herzen nicht“, lautet der Bibelvers, der über der kommenden Woche steht. Oder anders gesagt: „Hört doch mal zu!“
Gerade in den vergangenen Wochen war ja dieses Hinhören und Wahrnehmen immer wieder Thema in den Medien. Auf der einen Seite Menschen, die das Gefühl haben, dass ihnen keiner zuhört, und auf der anderen Seite der Vorwurf, dass da eine eingeschränkte Wahrnehmung vorherrschen würde und sich Menschen in „Filterblasen“ einkapseln würden. Letztlich auf beiden Seiten das Gefühl, nicht wahrgenommen zu werden.
Aber es ist letztlich kein Vorwurf, der immer nur „die anderen“ betrifft. Auch in meinem Alltag erlebe ich so manche Situationen, wo nicht richtig zugehört wird. Sei es, dass ich selbst glaube zu wissen, was der andere sagen wird, dann ein paar Stichworte höre und davon überzeugt bin den Rest schon zu kennen, oder dass Menschen mir gegenübertreten und schon vorher sehr genau zu wissen glauben, was „Pfarrer“ so sagen, denken und meinen. Das ist erstmal nicht verwerflich, denn das Arbeiten mit Schubladen (oder „systematisieren und selektieren von Information“) macht unser Leben einfacher. Aber es raubt uns letztlich die Chance, Menschen noch einmal neu kennenzulernen, neue Gedanken zu entdecken und damit auch so manches Mal selbst neu zu denken und wahrzunehmen, weil wir plötzlich feststellen, dass unsere selbst gezimmerten Schubladen nicht mehr passend sind.
In 10 Tagen beginnt die Fastenzeit und damit auch die Aktion „7 Wochen ohne“. Ich will es in diesem Jahr mit „7 Wochen ohne Schubladendenken“ versuchen: Zuhören, statt abschweifen, die Stimme des anderen und auch seine Gedanken ernst nehmen, mein Herz nicht schon vorher verstocken. Und wer weiß: Vielleicht denke ich am Ende doch so manches anders und neu.
erstellt von Mathias Wolf am 20.02.2017, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv