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Abendglocken
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Abendglocken

Andacht von Pfarrer Dieter Rohde, Hammelspring

Wenn wir früher als Kinder zum Spielen rausgehen durften, hieß es immer: Wenn die Glocke läutet, seid ihr wieder zu Hause! Daran erinnern sich die älteren Einwohner in Kappe bis heute.
Doch das Läuten per Hand war mühsam und mit der Zeit geriet die Tradition in Vergessenheit.
Mit dem Neuaufbau des Turmes in den Jahren 2014/15 wurde auch die Glockenanlage repariert, elektrifiziert und mit einer Schaltautomatik versehen.
So beschloss der Gemeindekirchenrat in Absprache mit dem Ortsbeirat, dass die Tradition des Abendläutens in Kappe wieder aufgenommen werden soll. Von Ostern an wird nun täglich von Montag bis Sonnabend um 18:00 Uhr für 5 Minuten die Kirchenglocke ertönen.

Das Abendläuten erinnert uns daran, dass der Arbeitstag zu Ende geht und wir Feierabend machen können. Das Leben besteht ja nicht nur aus Arbeit; Freizeit und Ausruhen gehören dazu.
Vor allen aber ruft die Abendglocke zum Gebet.
Vor etwas über 150 Jahren hat der Maler Jean-François Millet das Bild "Angelusläuten" gemalt.
Es zeigt einen Bauern und seine Frau, die in der Abenddämmerung auf einem Feld weit ab vom Dorf stehen. Die Grabegabel und der Korb mit einigen schon gesammelten Kartoffeln sind beiseite gestellt; am Horizont ist die Kirchturmspitze zu erkennen.
Beide halten die Köpfe gesenkt und haben die Hände zum Gebet zusammengelegt.
Zur damaligen Zeit bedeutete das Abendläuten noch lange keinen Feierabend; gearbeitet wurde bis es dunkel war.
Doch das Glockengeläut forderte zu einer Pause, zum Innehalten auf.
Bei aller mühsamen Arbeit konnte man den Rücken einmal gerade aufrichten.
Heute haben die meisten Menschen einen geregelten Feierabend und ein freies Wochenende.
Trotzdem haben viele das Gefühl, dass unsere Zeit viel zu hektisch und schnelllebig ist.
Und so kann das Abendläuten auch heute noch ein Augenblick sein, in dem wir einmal von allen Verpflichtungen und Vorhaben absehen, innerlich zur Ruhe kommen und uns der Möglichkeit des Gebetes entsinnen.
Papst Franziskus schreibt: "Der Moment des Gebets erinnert uns, selbst wenn er ganz kurz ist, an unsere Abhängigkeit von Gott, unterstützt unser Empfinden der Dankbarkeit für die Gaben der Schöpfung, erkennt jene an, die mit ihrer Arbeit diese Güter besorgen, und stärkt die Solidarität mit denen, die am meisten bedürftig sind."
Ich wünsche allen, die die Abendglocke hören, solche guten Gedanken!

Ihr Pfarrer Dieter Rohde, Hammelspring
erstellt von Mathias Wolf am 03.04.2017, zuletzt bearbeitet am 31.10.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv