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Gedanken zur Karwoche
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Gedanken zur Karwoche

Andacht von Pfarrer Peter Krause in Sachsenhausen

Zweimal wurden mir heute schon frohe Osterfeiertage gewünscht. Und die warmen Sonnenstrahlen der ersten Frühlingstage wecken auch in mir neu die Lebensgeister und so auch die Vorfreude auf Ostern. Gleichzeitig weiß ich, dass vor dem Fest nun noch stillere Tage liegen. Sie wollen den Blick zum Kreuz von Jesus lenken. Was da zu sehen ist, macht nachdenklich. Tagtäglich haben wir die Kreuze vor Augen, als Kette um den Hals gehängt, an den Straßenrändern oder auf den Friedhöfen als Zeichen der Trauer, in und an vielen Gebäuden als Segenszeichen und zur Erinnerung, wem sich Menschen mit ihrem Leben und auch in ihrer Trauer anvertrauen wollen. Wie viele Künstler haben in ihren Kunstwerken das Kreuz dargestellt. Es steht für den gewaltsamen Tod von Jesus. Darf man das Leid eines Menschen überhaupt als Kunst darstellen? Ein solches Leiden eines Menschen ist und bleibt doch eigentlich ein Skandal. Kann der Tod eines Menschen etwas sein, worauf viele in ihrem Glauben setzen? Diese Fragen sind nicht neu. Schon in der Bibel nimmt Paulus darauf Bezug und schreibt: „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft.“ (1.Kor 1,18) Auf Jesus und sein Kreuz zu schauen – dieser Skandal führt ins Innerste des christlichen Glaubens. Jesu Leiden lässt uns immer wieder neu mit Fragen zurück. Aber das Denken an sein Leiden weitet dann auch den Blick dahin, wo Leiden auch heute bittere Realität dieser Welt ist. Keiner schaut da mit Genuss hin, wo Menschen leiden müssen. Das Leiden auszublenden, heißt, auch einen Teil des Lebens und der Wirklichkeit wegzuschieben. Vielleicht ist da auch das Gefühl, dass es sowieso schon so Vieles gibt, was Sorgen macht. Da will ich mich selbst schützen. Deshalb lasse ich die Schattenseiten gar nicht erst an mich heran. Jesus macht es anders. Er lässt sich ein. Er ringt mit Gott um seinen Weg, aber er flieht nicht. Und wir Christen meinen, dass gerade darin Hoffnung liegt. Sein Tod wird uns zur „Gotteskraft“, wie Paulus sagt. Gott bleibt an die Seite derer, die leiden. Da trauert eine Mutter um ihre so plötzlich verstorbene Tochter, da können eine Frau und eine Tochter nicht verstehen, wieso ihr Mann und Vater so schnell von ihnen gehen musste. Da trauern Menschen um den Verlust ihrer Heimat und damit auch um ihr früheres Leben. Gewalt mit Waffen und Gewalt mit Worten oder auch mit Schweigen tritt ins Bewusstsein, wo wir uns öffnen für den Anblick des Kreuzes Jesu. Wahrscheinlich tut es uns gut, dass am dann folgenden Sonntag das Osterfest beginnt und der Ruf durch die Welt schallen wird: Da ist neues Leben, wo der Tod regiert hat! Und Freude und Lachen wird unsere Stimmung heben – ganz passend zum Frühling. Aber bis dahin lädt die Karwoche ein, den Blick auf das Kreuz zu richten, sei es in den Kreuzwegandachten oder Musiken, in den Gottesdiensten oder in der persönlichen Stille. Wer von der Tiefe berührt ist, die hier spürbar wird, wird dann die Freude und das Befreiende von Ostern nur umso intensiver spüren.


Ihr Pfarrer Peter Krause in Sachsenhausen
erstellt von Mathias Wolf am 10.04.2017, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv