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Großer Schatz
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Großer Schatz

Andacht von Nele Poldrack, Pfarrerin in Leegebruch

Unseren Urlaub haben wir am Bodensee verbracht. Drei Länder bereist. Ohne Visum, ohne Anträge und Begründungen. Reisefreiheit gehört zu unseren Selbstverständlichkeiten wie sauberes Trinkwasser und ein warmes Bett. Ich bin dankbar für diese Freiheit, die zu den Menschenrechten zählt. Vor 1989 haben manche für die Freiheit des Reisens unter Lebensgefahr die innerdeutsche Grenze überwunden. Ich gehöre zu den Unvernünftigen, die Menschenrechte für alle haben wollen. Ja, ich möchte, dass alle, die ein Land aus was auch immer für Gründen verlassen wollen, reisen dürfen, wohin sie wollen. Sie halten mich für naiv? Da könnte ja jeder… - ja! Genau! Ich möchte eine Welt, in der Grenzen die Besonderheiten verschiedener Nationen markieren, aber nicht menschenfeindlich sind. Das geht in einer gerechten Welt, von der ich träume. Und es führt zu einer gerechten Welt, in der jeder sein Auskommen hat. Den militanten, aggressiven und fanatischen Menschen wird der Nährboden entzogen. - Das Leben der Menschen wird in der Bibel immer wieder als Weg beschrieben, als Wanderung mit dem Sehnsuchtsziel Reich Gottes. Jesus beschreibt das Reich Gottes in einem Gleichnis als kostbaren Schatz: so wertvoll, dass jemand, der ihn findet, alles andere dafür verkauft. Was sind unsere kleinen Paradiesgärtlein, mit denen wir uns eine heile Welt vorgaukeln, gegen den Schatz Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit für alle? Auch unser Paradies Europa ist keine Lösung, wenn wir es mit Mauern und Waffen schützen müssen. Ich will naiv sein, ja! Ich möchte mich nicht von vermeintlichen Realitäten entmutigen lassen. Denn es gibt auch andere, die Hoffnung machen: friedliches Völkergemisch auf dem Alexanderplatz, Freiwillige, die auf der ganzen Welt in Flüchtlingslagern helfen, Konzerne, die auf fairen Handel umschwenken, Jugendliche, die die Ärmel hochkrempeln und die Welt retten. Träumen Sie mit Gott vom großen Schatz – und helfen Sie, Mauern abzubauen und Grenzen durchlässig werden zu lassen – zwischen Ländern und zwischen Menschen!

Nele Poldrack
erstellt von Mathias Wolf am 29.08.2017, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv