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500 Jahre Reformation
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500 Jahre Reformation

Andacht von Uwe Simon, Superintendent des Kirchenkreises Oberes Havelland

Lange schon wird das Fest vorbereitet. 500 Jahre feiert man ja auch nicht alle Tage. Jetzt ist es fast schon wieder vorbei. Manche werden dann sagen: „Danke für die Einladung. Ich war gerne dabei!“
Andere sind da womöglich zurückhaltender: „Was feiert ihr denn eigentlich? Vor 500 Jahren ging es doch auch nur um Geld und Macht, um die große Politik und was sie mit den kleinen Leuten macht. Es hat sich nichts geändert, Reformation hin oder her! Also räumt auf, das Fest ist vorbei. Schön, dass wir mal einen freien Tag extra hatten! Mehr bleibt nicht!“
Wer das allerdings glaubt, war wohl nicht wirklich dabei. Es gibt kaum einen alltäglichen Lebensbereich, der nicht von den Folgen der Reformation berührt wurde. Das haben die Themenjahre Reformation und Musik, Kunst, Bildung oder Politik mehr als deutlich gezeigt. Luthers Bibelübersetzung war in seiner Zeit ein Sprachereignis und die Lutherübersetzung 2017 ist ein Bestseller. Vor allem aber ging es den Menschen der Reformation um Fragen von Leben und Tod, um Gott und was im wirklich Leben zählt, um Schuld und Versagen und wie Vergebung und Versöhnung in einer zerstrittenen Welt und aller inneren Zerrissenheit möglich ist. Es ging im Angesicht des Todes darum, was eigentlich über das Leben hinaus bleibt. Luther nannte das die Suche nach einem gnädigen Gott. Für mich ist das hoch aktuell. Es sind auch meine Fragen.
Was bleibt also? All das, worum es bei allen Irrtümern und den leidvollen Auseinandersetzungen im Streit der Konfessionen und politischen Mächte vor allem ging:
In den Geschichten und Erfahrungen der Bibel begegnet mir das volle Leben. In der Bibel zu lesen, ist wie ein Blick in den Spiegel. Ich sehe mich - ehrlich und ungeschminkt. Und ich sehe Gott als den Grund, der diese Welt will, zusammenhält und nicht aufgibt. Ich schaue in sein Herz und in sein Angesicht, wenn ich von Jesus höre oder lese. Dank der Berichte begegne ich ihm wie so viele Menschen seiner Zeit. Das berührt mich tief im Innern und tut mir gut. Er reduziert mich nicht auf meine Fehler oder Schwächen. Ich muss mich nicht erst beweisen, sondern kann offen und ehrlich zu all dem stehen, was in meinem Leben nicht gut ist und gut läuft und daran jederzeit etwas ändern. Er sieht hinter aller Fassade immer den Menschen, der es verdient, geliebt zu werden, einfach so! Darauf kann ich im Leben bauen, voller Selbstvertrauen und Gottvertrauen in einem Leben, das mehr ist als nur die Ansammlung von mehr oder weniger vielen Jahren. Und so kann ich mich für meine Mitmenschen und das Gemeinwohl einsetzen. Oder anders gesagt, mit den überkommenen Worten für die Grundeinsichten der Reformation: allein die Schrift - allein Jesus Christus - allein aus Gnade und allein aus Glauben gerechtfertigt.
Ich finde, dass dies uns, unserer Gesellschaft, dem Frieden in uns und um uns herum unheimlich gut tut. Wenn das nach dem großen Fest bleibt, dann hat es sich mehr als gelohnt, oder?
So grüßt sie voller Vorfreude auf den kommenden Reformationstag
Ihr
Uwe Simon, Superintendent des Ev. Kirchenkreises Oberes Havelland
erstellt von Mathias Wolf am 28.10.2017, zuletzt bearbeitet am 31.10.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv