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Lebendiger Advent
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Lebendiger Advent

von Pfarrer Peter Krause

Irgendwie ist es immer wieder auf’s Neue spannend. Und als unsere Kinder kleiner waren, waren sie vorher so aufgewühlt wie kurz vor der Bescherung. Es klingelt und wir öffnen die Tür zu unserer Wohnung. Wie viele werden wohl kommen? Werden es nur wenige sein, oder müssen wir noch Stühle holen? Gut, die Kinder und „fitten“ Erwachsenen können es sich auch auf der ausgelegten Decke auf dem Fußboden unseres Zimmers gemütlich machen. - Jeden Tag wieder ist es etwas Besonderes, wenn sich eine Tür unseres „Lebendigen Adventskalenders“ im Pfarrsprengel öffnet. Menschen aus den Gemeinden laden zu sich nach Hause ein, und für eine gute halbe Stunde haben sie etwas vorbereitet.

Wir hören Geschichten, wir singen Lieder, wir basteln, wir erzählen oder hören Musik. Jeder Abend des Advents birgt so eine wirkliche Überraschung in sich und wird dadurch zu etwas Besonderem. Nach dem Arbeitstag überlege ich mir manchmal, ob ich es jetzt wirklich noch brauche, mich aufzumachen, statt einfach nur die Füße hochzulegen? Auf dem Heimweg dann aber merke ich, wie mir die erlebte Gemeinschaft gut tat. Die Adventswochen so in Gemeinschaft zu erleben, holen mich wirklich hinein in diese vorweihnachtliche Zeit und bereiten mich vor auf das kommende Fest.

In der Adventszeit, wo es viel zu organisieren und vorzubereiten gilt, gibt mir der „lebendige Advent“ eine Möglichkeit, dann auch innerlich anzukommen bei Weihnachten. Ist es das nette Miteinander, das gut tut, wo sonst über das Jahr jeder eher nur für sich bleibt und die eigenen vier Wände verschlossen hält? Oder ist es das gemeinsame Singen der Advents- und Weihnachtslieder? Sind es die alten und neuen Lieder, die mit eigener Stimme zum Klingen gebracht werden und die oft so viel Hoffnung und Wärme im Raum entstehen lassen? Sind es die Geschichten oder Gedichte, die zu Herzen gehen und auch mein Herz berühren? Ist es das, dass ich es mir einfach für eine Zeit gutgehen lassen kann? Oder passiert bei all dem dann eben doch noch viel mehr und ich werde wirklich berührt von dem, was Advent ist und sein soll?

„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ So beginnt das bekannte Adventslied von Georg Weissel. Kann das passieren? Auch heute noch in unseren Orten, bei uns Zuhause? Ich kann es nicht selbst machen, dass Gott mir nahe kommt. Aber es kann geschehen. Wo ich mich öffne, meine innere und vielleicht auch äußere Haustür auftue, da kann es sein: Gott kommt und er ist da. Ich sehe ihn nicht mit meinen Augen. Aber ich merke, wie sich etwas in mir verändert. Und das tut gut. Vor uns allen liegt nun die Zeit des Advents.

Lassen wir uns darauf ein und lassen wir uns berühren von dem, was diese Zeit besonders macht. Es wird uns gut tun!

Ihr Pfarrer Peter Krause in Sachsenhausen
erstellt von Mathias Wolf am 01.12.2017, zuletzt bearbeitet am 31.10.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv