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Ein Überraschungsgast
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Ein Überraschungsgast

Andacht von Pfarrer Christoph Poldrack, Leegebruch

Es ist häufig üblich in Fernsehshows, dass ein Überraschungsgast angekündigt wird. Die Zuschauer werden schon im Vorfeld darauf eingestimmt und sollen gerade seinetwegen die Sendung sehen. Wer wird es sein, der da kommt? Am Abend dann geht nach einer spannungssteigernden Anmoderation endlich im Hintergrund der Bühne ein Portal auf, alle Scheinwerfer richten sich darauf und dann tritt der Gast ins Rampenlicht – begrüßt und beklatscht von einem überraschten und überwältigten Publikum.
In der Adventszeit wird uns auch das Kommen eines Gastes angekündigt. Die Tore und Türen sollen rechtzeitig geöffnet werden, damit der, den man erwartet, auch wenn man ihn noch nicht kennt, ungehindert eintreten kann. Und dann kommen die großartigen Ankündigungsworte: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Wow! Das muss ja einen prächtigen Staatsempfang geben mit militärischem Zeremoniell, einem Schwarm von Kamerateams und Pressefotografen, mit großen Reden, winkenden Zuschauern hinter den Absperrgittern und allem protokollarischen Brimborium, mit dem man Staatsgäste zu empfangen pflegt.
Aber dann kommt da ein etwas heruntergekommener Wanderprediger, verstaubt und ungewaschen, auf einem Esel reitend – dem Arbeitstier der Kleinbauern. Waren das mal wieder fake news, als uns ein König angekündigt wurde? Oder ist das gar nicht der König, sondern ein Hochstapler, der die günstige Gelegenheit nutzt, um sich mal so richtig in Szene zu setzen? Vielleicht kommt der eigentlich Gemeinte erst später.
Es waren nur wenige, vor allem einfache Leute aus der sozialen Unterschicht, die seinerzeit in Jerusalem vor 2000 Jahren diesen Mann empfingen, der als König angekündigt war. Alles, was Jesus von Nazareth bei seinem Einzug in Jerusalem tut, wirkt wie eine Persiflage auf das Gehabe der Reichen und Mächtigen. Aber die, die mit ihm zogen und ihn empfingen, erkannten in ihm den verheißenen Retter, den König, der tatsächlich ein Gerechter und ein Helfer war. Trotz seines vordergründigen Scheiterns spürten sie: hier ist einer gekommen, der in Gottes Namen und Auftrag handelte und lebte, dessen Wirksamkeit mit dem Tod nicht erledigt war. So glaubten sie an ihn und verkündeten es weiter, so dass die Botschaft schließlich auch uns erreichen kann.
Im Advent will er bei uns ankommen. Türen für ihn öffnen, Tore weit machen heißt, sich auf seine Botschaft und auf das Heil Gottes einzustellen; heißt, sich einzulassen auf eine überraschend andre Art von Versprechungen als sie von Politikern sonst gemacht werden; heißt, sein Leben an seinen Worten auszurichten. Dann kann er einziehen – in unsere Herzen, und dann kann es Weihnachten werden. Alle Adventsbräuche, die uns aus der Vergangenheit überkommen sind, wollen uns aufmerksam machen auf das Kommen dieses Königs, dieses Retters und wollen uns einstimmen, damit wir für eine Aufnahme bereit sind. Möchten Sie, dass er kommt, gerade zu Ihnen kommt – dieser Überraschungsgast, den Gott zu uns schickt? Bereiten Sie sich darauf vor! Dazu ist die Adventszeit da.
Christoph Poldrack
Pfarrer in Leegebruch und Velten-Marwitz
erstellt von Mathias Wolf am 09.12.2017, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv