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Die Sache mit den Sternen
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Die Sache mit den Sternen

Andacht von Thomas Hellriegel, Pfarrer in Vehlefanz

Vor einigen Tagen ist mal wieder ein Deutscher in den Weltraum aufgebrochen. Und die halbe Nation saß in Gedanken mit im Cockpit. Den Sternen mal ganz nah sein, wer wollte das nicht. Jedenfalls war es einer meiner Kindheitsträume. Damals waren Jähn und Merbold in aller Munde. Heute weiß ich, dass die 400 km Höhenunterschied zwischen Erde und ISS keineswegs schon die unendlichen Weiten des Universums sind, sondern eher dafür garantieren, dass die Raumstation in der Umlaufbahn unseres Planeten bleibt. Hoffen wir deshalb mal ganz irdisch, dass Gerst und seine beiden Kollegen in einigen Monaten Forschungsergebnisse mitbringen, die uns helfen, wenigstens die kleine Welt, in der wir leben, nachhaltig zu bewahren.
Ja, die Sterne sind derzeit in aller Munde und haben regelrecht Hochkonjunktur. Z.B. auch die eines Autoherstellers aus Stuttgart. Der macht in letzter Zeit (wie andere übrigens auch) nicht nur durch solide Technik und komfortable Ausstattung von sich reden, sondern auch durch Rußpartikel und manipulierte Stickstoffwerte. Schwamm drüber - nach vorne schauen. "Folge deinem Stern", heißt es in einem Werbespot des Herstellers. Dann bleiben die globale Konkurrenz und der Nachbar mit seinem Mittelklasse-Gebrauchtwagen auf der Strecke. Vermutlich aber auch die Umwelt und das Klima.
Ebenfalls dieser Tage hat die Gesellschaft für deutsche Sprache über die Einführung des Sternchens in der Wortmitte disputiert. Liebe Leser und Leserinnen - oder jetzt neudeutsch - Liebe Leser*innen, ein solches Sternchen ist doch echt papier- und speicherplatzsparend für genderorientierte Geschäftsbriefe, E-Mails und WhatsApp-Nachrichten. Spielen mindestens bei Letzteren die wohlgehüteten Rechtschreibregeln des Duden eh schon keine Rolle mehr (schauen Sie sich mal die Chats Ihrer Kinder bzw. Enkel an), so birgt die mancherorts bereits leidenschaftlich praktizierte Sternchenregel vor allem die Gefahr, dass am Ende niemand mehr schreibt, was er spricht, und umgekehrt. Bei allem Bemühen um geschlechtergerechte sprachliche Inklusivität, die Verständlichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation darf nicht verloren gehen. Die babylonische Sprachverwirrung hat schließlich schon einmal (ganz am Anfang der Menschheitsgeschichte) das Miteinander in der Gesellschaft vor die Wand gefahren.
"Stern auf den ich schaue, Fels auf dem ich steh ...", dichtet Adolf Krummacher im 19. Jahrhundert aus tiefem inneren und persönlichem Glauben. Für ihn war klar, der gekreuzigte und auferstandene Christus ist Halt und Orientierung, Trost und Hoffnung in jeder Lebenssituation. Ich muss deshalb nicht erst jedem irrlichternden Sternchen folgen, um die Wahrheit des Lebens zu entdecken. Weil Gottes Licht mich erfüllt, weiß und glaube ich: "... Brot von dem ich lebe, Quell an dem ich ruh, Ziel das ich erstrebe, alles, Herr, bist du."

Thomas Hellriegel, Pfarrer in Vehlefanz
erstellt von Mathias Wolf am 18.06.2018, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv