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Tränen der Trauer und Tränen der Freude
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Tränen der Trauer und Tränen der Freude

Andacht von Superintendent Uwe Simon

Niemand hat sich seiner Tränen geschämt. Im Angesicht des Feuerscheins und dunkler Rauchwolken ließen alle ihrem Entsetzen und ihrer Trauer freien Lauf. Das lichtdurchflutete Gotteshaus, in dem alles noch oben, zum Himmel strebte, wurde gerade ein Opfer der Flammen.
Aber es liegt immer noch eine große Kraft und Entschlossenheit in diesen Tränen. Die Kirche wird wieder aufgebaut.
Solche Tage prägen sich tief ein und verbinden. Der Himmel soll nicht verschlossen bleiben, Zerstörung nicht das letzte Wort haben. So wurden und so werden Kirchen selbstverständlich wieder aufgebaut oder neu gebaut als Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung. Coventry in Großbritannien, von der deutschen Luftwaffe zerbombt, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin als Mahnmal gegen Krieg, die Frauenkirche in Dresden als Herz einer ganzen Stadt, unzählige Dorfkirche in den letzten Jahrzehnten, weil die Dörfer und die Städte solche Orte für die Trauer und die Hoffnung brauchen. Lauter Osterfeste, lauter Auferstehung inmitten aller Zerstörung.
Auch Maria Magdalena schämte sich ihrer Tränen nicht. Sie stand am Grab und trauerte um den gekreuzigten Freund und Lehrer Jesus, so wird erzählt. Ihre Hoffnung schien begraben. Selbst das leere Grab ließ sie nur an Raub, aber noch nicht an Auferstehung denken. Sie weint und ihre Tränen werden wahrgenommen, sie wird angesprochen, sie darf erzählen, sie darf fragen, sie darf trauern und dann: Trost finden. Denn der AUFERSTANDENE sieht sie, spricht sie an, hört ihr zu, tröstet sie. Der Gekreuzigte lebt, auferstanden von den Toten, und der Himmel ist offen. Gott ist nicht unendlich fern, sondern den Trauernden nah. Tränen der Trauer werden zu Tränen der Freude. Das ist Ostern: Tränen, die befreien, Menschen, die zuhören, Gelegenheit zu erzählen und durch den Schleier der Tränen hindurch ein Blick in den offenen Himmel. ER ist auferstanden, ER ist des Todes Tod, ER ist das Leben. ER lenkt den Blick vom Grab in den Himmel. Was für eine Kraft liegt in diesem Bild, so wie Maria und wie die Menschen in Paris wieder frei aufschauen und hoffen zu dürfen. Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Osterfest.
Ihr Uwe Simon, Superintendent
erstellt von Mathias Wolf am 20.04.2019, zuletzt bearbeitet am 28.04.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv