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Worte so süß wie Honig
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Worte so süß wie Honig

Andacht von Pfarrerin Juliane Lorasch, Gutengermendorf

Zwölf Kinder im Alter von fünf bis dreizehn Jahren stehen im Garten um zwei große Holzkisten herum. Zwischen ihnen eine Gestalt in weißem Anzug und großem weißen Hut mit Netz über dem Kopf. Um sie summt und schwirrt es. Dann ein bisschen Rauch und Qualm. Alle gucken gebannt wie der Imker die erste Wabe aus dem Bienenstock herauszieht. Die kleinen sechseckigen Hohlräume sind gefüllt mit flüssigem Honigseim. Jeder darf einen kleinen Tropfen kosten.
Der ungeläuterte Honig schmeckt süß und ist eine echte Köstlichkeit. Wohltuend für Leib und Seele. Warme Milch mit Honig ist ein bewährtes Hausmittel bei kratzendem Hals und verlorengegangener Stimme. Ein Frühstück mit frischen Brötchen vom Bäcker und leckerem Honig ist für mich ein gelungener Start in den kommenden Tag.
„Freundliche Reden sind Honigseim, süß für die Seele und heilsam für die Glieder.“, so heißt es im Alten Testament im Sprüchebuch. Wie der Honig kräftigend und heilsam ist, so sind es auch freundliche Worte. Sie kommen nicht nur im Kopf an, sondern tun dem ganzen Menschen gut, genauso wie böse Worte Schmerz verursachen können wie ein Schlag in die Magengrube.
Freundliche Worte sind ein Zeichen von Achtsamkeit dem oder der anderen gegenüber. Wir sind angewiesen auf wohltuenden, aufbauenden Zuspruch.
Doch mit den süßen Worten ist das so eine Sache, wenn einem Honig um den Bart geschmiert wird. Worte können süß und angenehm sein, aber im Nachhinein bitter aufstoßen, wenn sich herausstellt, dass sie nicht so gemeint waren. Aufrichtige Freundlichkeit dagegen bereichert unser Miteinander. Eine freundliche Begegnung wärmt mir das Herz und einer freundlichen Bitte komme ich viel lieber nach als einer weniger freundlichen Aufforderung. Das lernen schon Kinder.
Viele freundliche Worte, süß für die Seele und heilsam für die Glieder,
wünscht Ihnen Pfarrerin Juliane Lorasch




erstellt von Mathias Wolf am 15.06.2019, zuletzt bearbeitet am 22.06.2019
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