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Wer ist mein Bruder? Wer ist meine Schwester?
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Wer ist mein Bruder? Wer ist meine Schwester?

Andacht von Pastor Eckhart Friedrich Altemüller, Fürstenberg/H.

Geschwister sind immer schon da. Als Kind habe ich mich mit meinem Bruder, mit dem das Zimmer geteilt werden musste, sehr oft gekabbelt. Tja, Freunde kann man sich aussuchen, aber Geschwister nicht.
Wie passt das zusammen, dass uns Menschen familiäre Probleme und Rangeleien von Kindheit an vertraut sind, wir aber mit dem „Fremden“ auch unsere liebe Not haben? Wo wir doch grade unsere Freundinnen oder Freunde schön außerhalb der Familie an einem neuen fremden Ort wie in Schule, Ausbildung oder Beruf suchen. Wie oft sind so schon aus Fremden Freunde geworden.
Was ein Mensch einem wirklich bedeutet, wird uns spätestens beim Abschiednehmen bewusst. Und dann ist es sogar egal, ob Freund oder Feind. Außerdem gibt es da noch stille Sympathien für jemanden – ohne dass darüber gesprochen würde.
Ich verlasse demnächst Oberhavel für eine neue Aufgabe andernorts. Auf vieles blicke ich zurück und spüre: wie schnell fliegt alles dahin, wie wertvoll erscheinen mir heute die gelebten Begegnungen hier, aber was bleibt? Jesus sagt im Markusevangelium: wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und mein Bruder (Markus 3,35).
Das bleibt also: diese Konzeption von Familie, die immer um einen ist, auch da, wo wir es nicht erwarten. Auch da, wo Menschen voneinander Abschied nehmen müssen. Diese Familie ist immer da. Sie schließt nicht andere aus, sondern ist offen für alle, die Gottes Willen tun (möchten). Eine große Verheißung für alle Menschen, die Abschiede erfahren – z.B. in der eigenen Familie oder weil ihnen die Welt fremd geworden ist. Wir bleiben nicht allein. Auch in Oberhavel nicht. Wir bleiben verbunden mit anderen, die nach Gottes Willen auf der Suche sind. Keine schlechte Sache, die Jesus da aufdeckt, oder?
erstellt von Mathias Wolf am 13.09.2019, zuletzt bearbeitet am 31.10.2019
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