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Thomas Hellriegel
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Zum Totensonntag

In diesen Tagen des Monats November gedenken viele ihrer verstorbenen Angehörigen. Liegt der Sterbefall schon einige Jahre zurück, haben die meisten ihr Ritual des Gedenkens gefunden. Am Grab liegen vielleicht ein letztes Mal vor dem Winter frische Blumen. Oder ein Grablicht leuchtet, als wollte es dem bedrückenden Dunkel in den Herzen der Hinterbliebenen trotzen. Andere haben erst vor einigen Tagen oder Wochen einen ihrer Liebsten zu Grabe getragen. Die Trauer und der Schmerz des Abschieds sind dann noch sehr lebendig. Weil der Tod so endgültig ist, wiegt der Verlust besonders schwer.
Die Gräber unserer Angehörigen erzählen zunächst vom Sterben: Dass unser Leben vergänglich ist, so wie die Blumen, die aufblühen und verwelken. Dass jeder Tag der letzte sein könnte, und man nie weiß, wieviel Zeit einem noch bleibt. Dass man nichts mitnehmen kann, wenn schließlich die Zeit gekommen ist. Die Inschriften auf den Grabsteinen erzählen zugleich auch vom Leben, wie lang (oder kurz) es war, was dieses eine Leben so unverwechselbar einzigartig gemacht hat, wieviel Wertschätzung ein Mensch in seinem Leben erfahren hat.
Hin und wieder aber entdecke ich auf Grabsteinen auch Inschriften, die Hoffnung wecken weit über den Tod und die Vergänglichkeit des Lebens hinaus. Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Der Glaube an den Auferstandenen holt die Ewigkeit schon in mein Hier und Heute. Mein Leben gewinnt einen Horizont, der größer ist als die Summe meiner Lebensjahre. Der Liederdichter Lothar Petzold sagt es so: Gott, lehre uns, dass wir sterben müssen, dass Brücken brechen, denen wir vertraut; und weise uns, eh wir gehen müssen, zum Leben die Brücke, die du uns gebaut. Gott, sei bei uns, wenn wir sterben müssen, wenn Brücken brechen und wenn wir vergehen. Gott, schweige nicht, wenn wir schweigen müssen; sei selber die Brücke und lass uns bestehen.
erstellt von Christoph Poldrack am 23.11.2019, zuletzt bearbeitet am 30.11.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv

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