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Dirk Bock, Lindow
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Was bleibt von Weihnachten?

Weihnachten war da und ist schon wieder weg! So wie am „Aschermittwoch alles vorbei“ ist, so ist für viele die Luft raus aus: Gottesdienst besucht, Weihnachtstafel abgegessen, „O du Fröhliche“ gesungen. Fast wie bei einer feierlichen Hochzeit: Man plant Monate lang, investiert Phantasie, Geld, Zeit, Mühen. Dann ist er da, der große Tag – und so rasch ist er auch schon wieder vorbei. Die Luft ist raus. Dabei hört die Ehe doch nicht mit der Hochzeit auf – nein, sie fängt an diesem Punkt eher an. Hoffen wir jedenfalls.
In der Weihnachtsgeschichte ist es ähnlich: Der Engel bringt den Hirten die Weihnachtsbotschaft: „Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude (…): Euch ist heute der Heiland geboren!“ Eigentlich ist diese Botschaft nicht das Ende, sondern der ANFANG. Ab jetzt gilt: „So, und nun ist er da, der Heiland!“ Und da machen sich die Hirten auf den Weg.
Ein anderer Vergleich: „Er“ steht seit einer halben Stunde auf dem Bahnhof und wartet sehn­suchts­voll auf den Zug mit „ihr“ drin. Dann, endlich der Höhepunkt: Die Tür geht auf, sie springt aus dem Zug, beide schließen einander überglücklich in die Arme! Und jetzt haucht er ihr ins Ohr: „So, nun bist Du ja gekommen, wir haben uns gesehen, jetzt kannst Du gleich wieder fahren!“ – Was sagen wir da? Schön blöd! Und wir raten dem Liebhaber: „Steck sie nicht in den nächsten Zug! Nimm sie mit nach Hause, macht Euch eine schöne Zeit!“ Denn: Sie soll BLEIBEN! Und Weihnachten? Was bleibt denn von Weihnachten? Ist in der Geschichte mit dem Baby in der Krippe, mit den Hirten, den Engeln, irgendetwas, was BLEIBT?
Erste Antwort: Nein! Nichts! Nehmen wir die Engel: Nachdem sie Gott gelobt haben, fahren sie wieder in den Himmel. Oder die Hirten: An der Krippe bleiben die auch nicht lange. „Nachdem sie es aber gesehen hatten …“, sind sie auch schon wieder weg, um das weiterzuerzählen, was sie über das Kind gehört haben. Anschließend sind sie vermutlich dann wieder bei ihren Schafen gelandet, wo für sie die Geschichte begonnen hatte.
Und Maria, Josef, das Baby? Im Matthäus-Evangelium brechen sie fluchtartig nach Ägypten auf, um sich in Sicherheit zu bringen. Bei Lukas geht es nicht ganz so eilig zu, aber nach einer Weile treffen wir die Familie in Jerusalem an, von wo sie dann nach Nazareth zurückkehrt. Da ist es längst still geworden um den Stall in Bethlehem, wie er da so verwaist und verloren in der Landschaft steht, wenn nicht gerade die Schafe drin blöken.
Zweite Antwort: Doch, es bleibt was! In der Weihnachtsgeschichte heißt es ausdrücklich: Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. (Lukas 2, 19)
„Behalten“, das bedeutet doch: Das bleibt! Im Herzen. Und obwohl vom BEWEGEN im Herzen die Rede ist, ist das eine stille, ruhige Angelegenheit. Maria bewegt die Worte im Herzen, wie man ein Baby sanft in den Schlaf wiegt.
Worte. Nicht mehr. Und nicht weniger. Ohne diese Worte wäre das Ereignis von Bethlehem nichts anderes gewesen als das, was jede andere Geburt auch ist: Für jemanden geht eine neue Welt auf. Was bleibt bei Ihnen von Weihnachten 2019?
erstellt von Christoph Poldrack am 28.12.2019, zuletzt bearbeitet am 11.07.2020
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv