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Gernot Fleischer, Lychen
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Die Tür ins neue Jahr

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ So lautet die Jahreslosung 2020. Sie drückt unseren Lebens- und Glaubenszweifel aus, den wir gerade jetzt spüren, wo wir die Tür ins neue Jahr durchschritten haben. Wir sind über die Schwelle gegangen in einen noch unbekannten Raum. Manche von uns mit Ungewißheit oder gar Furcht, was kommen oder auch was bleiben wird, manche mit Neugierde oder Vorfreude auf schöne Ereignisse. So ist es immer, wenn Neues sich anbahnt: es ist wie ein Gehen durch eine offene Tür, die uns einlädt, weiterzugehen und neue Schritte zu wagen, aber auch Angst macht, weil wir Vertrautes zurücklassen müssen und nicht wissen, was werden wird.
So fühlen wir an der Schultür, an der Tür zum neuen Arbeitgeber, an der Tür in ein gemeinsames Leben mit neuem Partner in einer neuen Wohnung, an der Tür ins Kranken- oder ins Sterbezimmer eines geliebten Menschen. Ja, auch der Schritt in dieses Leben hinein, unsere Geburt, und auch unser Tod sind Schritte durch solche Türen.
Zum Glück gibt es Wegbegleiter an diesen Grenzen und Schwellen.
Ein Christ aus China schrieb einmal diese Zeilen:

„Ich sagte zu dem Engel,
der an der Pforte des neuen Jahres stand:
Gib mir ein Licht,
damit ich sicheren Fußes der Ungewissheit entgegengehen kann.
Aber er antwortete:
Geh nur hin in die Dunkelheit
und lege deine Hand in die Hand Gottes.
Das ist besser als ein Licht
und sicherer als ein bekannter Weg.“

In solchem Vertrauen lässt es sich gut über die Schwelle in unbekannte Räume wie das neue Jahr gehen. Weil ich ahne: Egal, was in der Zukunft geschieht, ob Gutes oder Schwieriges: Einer erwartet mich, den ich schon lange kenne. Er begrüßt mich mit ausgestreckter Hand. Und dieser Eine sagt von sich selber: „Ich bin die Tür. Wer durch mich hindurchgeht, der wird Weide finden“ (Joh 10, 9) - alles, was er zum Leben braucht.
erstellt von Christoph Poldrack am 04.01.2020, zuletzt bearbeitet am 05.03.2020
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv