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Ralf-Günther Schein
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Der Blick in den Spiegel

Eine der biblischen Lesungen für den kommenden Sonntag ist ein großer Hymnus über die Liebe.
Paulus betont darin: „Die Liebe hört niemals auf ….Sie ist das Größte!“ ….
Jetzt aber sehen wir durch einen Spiegel ein dunkles Bild....und erkennen vieles nur stückweise, dann aber werde ich erkennen....und wir werden Gott sehen von Angesicht zu Angesicht.“ (1.Korinther 13)
Am Ende seiner „Liebes-Erklärung“ kommt Paulus auf einen Spiegel zu sprechen. Er macht damit deutlich: Wer über die Liebe nachdenkt wird auf Fragen nach sich selbst und auf Gott stoßen. Unser Wissen ist wie das Schauen in einen dunklen Spiegel und nur Stückwerk.
Wer in einen Spiegel schaut, prüft sich und fragt: „Wie sehe ich heute aus ?“ oder „Wer bin ich ?“ Der Blick in den Spiegel zeigt mir aber auch, ob es mir gut geht oder schlecht. Er kann ein Mittel sein zur Selbsterkenntnis.
Manchmal wird uns aber auch von anderen ein Spiegel vorgehalten. Das geschieht in diesen Tagen z.B. durch die Narren, die im Karneval unser närrisches Verhalten oder das der Politiker aufs Korn nehmen.
Diese „Narrenspiegel“ können manchmal eine Art „Beichtspiegel“ sein, damit wir uns selbst erkennen und das Umkehren nicht verlernen.
Ein Spiegel sagt unbestechlich die Wahrheit. Sinnbildhaft wird es deutlich im Märchen von Schneewittchen. Die von Eitelkeit geplagte Königin konnte es nicht aushalten, dass ihr der Spiegel an der Wand nicht bestätigte, dass sie die Schönste sei im Land.
Nicht nur dieses Märchen stellt die Narretei der Eitelkeit in Frage.
So betont Paulus: Alle Schönheit, alles Wissen, selbst alles ethische Tun ist nur hohles Geklingel, wenn nicht die Liebe dazu kommt.
Liebende blicken weiter als die bruchstückhaften Spiegelgefechte des Alltags uns vorgaukeln.
Und wenn Gott uns irgendwann den Spiegel vorhält, dann werden wir erkennen, dass die Liebe bleibt und wir in der Liebe Gottes bleiben, und das bis in Ewigkeit.
Welch wundervolle Verheißung.
erstellt von Christoph Poldrack am 22.02.2020, zuletzt bearbeitet am 07.08.2020
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv