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Peter Krause, Sachsenhausen
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Wo alles endet

Ab und zu ist er da. Und dann kann es ganz schön anstrengend werden. „Schau doch hin! Wo soll das alles noch enden?“ Damit endet es meist, wenn er seine Sicht auf die Welt beschreibt. Manchmal lade ich ihn dann ein, mit mir einfach loszuziehen. „Wir können ans Wasser fahren? Dann sind wir einfach mal raus und genießen die Ruhe und der Wind erfrischt uns.“ Er meint, wir würden uns sicher erkälten und bestimmt blieben wir sowieso vorher irgendwo im Stau hängen. Ich kann es mir nicht verkneifen: „Du gehst immer von dem Schlechtesten aus, oder?“ Er erwidert, er sei nur realistisch. So würde er wenigstens nicht ständig enttäuscht. Bloß nicht zu viele Erwartungen haben, damit komme er ganz gut durchs Leben. „Gib dir einen Ruck, vielleicht wird unsere Tour ja doch ein richtig tolles Erlebnis?“ Er bleibt skeptisch, ich werde schon sehen…
„Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“. So lautet das Motto der diesjährigen Fastenaktion der evangelischen Kirche. Mit dem Aschermittwoch beginnt heute die Zeit, in der Christen daran denken, wie Jesus an und in dieser Welt leiden musste. Unschuldig wurde er zum Tode verurteilt. Ha! Siehst du! So ist die Welt! Lehrt das nicht, sparsam zu sein mit großen Hoffnungen? Jesus bereitet die, die ihm eng verbunden sind auf das vor, was sein wird. Er erzählt davon, wie er leiden und sogar getötet werden wird. Nach drei Tagen wird er auferstehen. Verständlich, keiner will davon etwas hören. Verständlich, niemand kann es verstehen. Und ja vielleicht auch verständlich, alle bleiben mit ihren Gedanken nur bei dem Leiden hängen. Erst viel später spüren sie: Das Leiden ist nicht das Letzte, sondern das Leben, von dem Jesus am Ende sprach. Ja, auch ich bin Realist. Und manchmal frage ich mich, wo das alles hinführen wird? Der Glaube sagt dann: Sieh hin, da ist Leben und Zukunft! Deshalb lohnt es sich, gegen das Destruktive anzugehen. Sieben Wochen ohne Pessimismus und dabei nicht die Augen vor der Realität schließen? Eine Herausforderung für die nächsten Wochen.
erstellt von Christoph Poldrack am 26.02.2020, zuletzt bearbeitet am 07.08.2020
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv