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Vom Dienen und Danken
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Vom Dienen und Danken

5. April 2020 | Andacht zum Wochenende von Markus Schütte, Pfarrer in Velten-Marwitz.

„Deutschland dreht durch“, stöhnt Daniela M. Die 47jährige ist Verkäuferin in einem Supermarkt. Sie macht ihre Arbeit gern. Zu Zeit aber ist es schwierig. Seit Wochen arbeiten sie und ihre Kolleginnen am Limit. „Und dann müssen wir uns auch noch beleidigen lassen, weil alles nicht schnell genug geht und uns die Ware ausgeht“, erzählt sie.

Das ist schlimm, aber nicht neu. Schon lange mehren sich Berichte über Rettungskräfte, die behindert, Kassiererinnen, die beschimpft, und Polizisten, die angegriffen werden. Dabei ist ihr Dienst wichtig für uns alle, „systemrelevant“, wie das jetzt heißt.
Das Wort „Dienen“ hat oft keinen guten Klang. Es klingt nach Unterwerfung und Verlust der Selbstbestimmung. Andererseits entwickeln wir uns immer mehr zu einer Dienst-Leistungsgesellschaft. Wir leisten immer mehr Arbeit, die anderen Menschen hilft, ihr Leben zu gestalten. Das ist aber kein Widerspruch. Das Wort „Dienen“ hat nur dann einen faden Beigeschmack, wenn man vergisst, wem oder warum man dient. Dienen bedeutet doch: seine Arbeit für andere Menschen aufzuwenden. Wir setzen unser Können, unsere Erfahrung und Energie dafür ein, gemeinsam ein gutes Leben zu schaffen. Für andere Menschen da zu sein, kann ein großes Glück sein.

In der Bibel sagt Jesus einmal, er sei nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene (Matthäus 20,28). Nach diesem Wort dienen wir Menschen nicht Gott, sondern Gott dient uns. Welch ein wunderbarer Gedanke. Und auch wir gewinnen viel, wenn wir die Angst davor verlieren, einander zu dienen. Wer anderen dient, wer ihnen seine Kraft und Erfahrung schenkt, dient der Liebe.

Daniela M. und ihre Kolleginnen, die Ärztinnen und Pfleger, die Müllmänner und Apothekerinnen, Polizistinnen und Feuerwehrleute: sie dienen uns - nicht nur in Zeiten der Krise. Oft verdienen sie wenig, zu wenig. Das Mindeste, was sie verdienen, ist unsere Respekt, mehr noch: Sie verdienen unseren Dank, von ganzem Herzen.
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