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Singt dem Herrn ein neues Lied
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Singt dem Herrn ein neues Lied

10. Mai 2020 | Sonntag Kantate | Gedanken zum Wochenende von Michael Wendt, Gemeindepädagoge

Singt dem Herrn ein neues Lied, so sind wir als Christen aufgefordert den kommenden Sonntag zu begehen. Singen in diesen Tagen? Dem einen oder anderen mag gerade nicht danach zumute sein. Haben doch die besonderen Umstände der letzten Tage und Wochen ganz schön an den Nerven und Kräften gezehrt. Jetzt will man heraus aus der Isolation, möchte wieder unbeschwert aufeinander zugehen können, möchte wieder den Duft der Freiheit genießen und das Leben ordnen und normalisieren. Aber singen? Warum eigentlich nicht. Denn Musik hat eine ungeheure Kraft und das Singen etwas Verbindendes.

Ich war schon sehr berührt, die singenden Menschen auf den Balkonen in Italien während der Anfangszeit ihrer Isolation zu sehen. Das gemeinsame Singen war mehr als nur eine Ablenkung in den eintönigen Zeiten in den eigenen vier Wänden. Es war wie ein Lichtblick in der Aussichtslosigkeit, es war eine Verbindung in der Ausgrenzung, es war ein Miteinander in der Trennung. Und für viele der aktiven Helfer war es auch ein großes Dankeschön. Denn Singen ist so etwas wie die Sprache des Fühlens. Es ist wie ein individuelles und gleichzeitig gemeinschaftliches Lebenselixier. Singen hilft die Herausforderungen des Alltags zu meistern. Im Singen können wir alle unsere Gefühle zum Ausdruck bringen, unsere Freude oder unsere Sorgen, unsere Ängste oder unsere Hoffnungen, unser Glück aber auch unsere Trauer.

Lieder können uns Mut machen und den Blick in die Zukunft weiten. „Geh aus mein Herz und suche Freud“, dieses Lied von Paul Gerhard erzählt vom Aufblühen des Lebens, vom Herzschlag der Welt. Es lädt uns förmlich ein herauszutreten aus der Beklemmung und die Kraft des Lebens in der Schöpfung Gottes zu entdecken. Und vielleicht ist es uns bald allen möglich gemeinsam hinaus zu gehen und die Freude am Leben wieder zu finden und aus Leibeskräften fröhlich ein Lied zu singen, allein oder mit anderen gemeinsam.

Michael Wendt
Gemeindepädagoge Oranienburg-Sachsenhausen
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv