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Beten bedeutet Vetrauen

Beten bedeutet Vetrauen

17. Mai 2020 | Sonntag Rogate | Gedanken zum Wochenende von Pfarrerin Christine Rosin, Herzfelde (Templin)

Der kommende Sonntag ist der Bittsonntag Rogate. Ums Beten geht es also. Wie beginne ich eigentlich ein Gebet? Es braucht für mich zum Beten keine bestimmte Körperhaltung, kein Falten der Hände und kein Senken des Kopfes. Damit ich beten kann, brauche ich keine Glocken, keinen Altar, keine bestimmte Uhrzeit, keine Kerze. Was ich aber unbedingt brauche, ist Vertrauen. Denn Beten ist etwas so Intimes, dass über das persönliche Gebet selten unter Freunden gesprochen wird.
So verletzlich ist jemand, der betet, dass ich allen Fotografen in Traugottesdiensten einbläue, ja niemanden während eines Gebets abzulichten. Und als so vertraulich erlebe ich das Beten, dass es mir manchmal unangenehm ist, in einem Videogottesdienst jemandem beim Beten „zuzuschauen“, wenn ich innerlich selbst nicht mit ganzem Herzen dabei bin.
Das Gebet braucht einen geschützen Raum, wo es von allen Anwesenden mitgetragen wird. Nur dann kann ich auch selbst eigene erste Gebetsworte finden: „Christus, du weißt...“ Seit einigen Jahren fange ich oft mit diesen Worten an zu beten: „Christus, du weißt um meinen Kummer.“ „Christus, du weißt, was gutes Leben ist.“ „Du weißt, was fehlt.“ Und manchmal braucht es dann auch nicht mehr als diese ersten Worte. „Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet.“
So fängt Jesus an zu erklären, wie man beten soll. Beten bedeutet, Vertrauen zu fassen. Und darum geht es wirklich diesen Sonntag und in der kommenden Woche, nicht nur in den Kirchen. Es geht darum, dass wir einander mittragen und ernst nehmen mit dem, was uns auf dem Herzen liegt, dass wir einander mit Vertrauen begegnen über die Grenzen der Generationen und Berufsgruppen hinweg, und dass wir im Herzen wissen, dass Gott um uns weiß.

Pfarrerin Christine Rosin, Herzfelde (Templin)
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv