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Die Kirche im Dorf
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Die Kirche im Dorf

Andacht von Kerstin Frieboese, Projekt KircheMobil in der Gemeinde Zehdenick/Mildenberg

Es ist so eine Sache mit der Präsenz der Kirche im dörflichen Leben und in den Herzen der Menschen. Wie oft erleben wir „Notstände“ - beispielsweise den dramatischen Pflegenotstand. Es gibt aber auch einen geistlichen/spirituellen Notstand, was nicht jedem bewusst sein wird, aber trotzdem vielfältige Folgen zeitigt. Die vielen existentiellen Ängste, die oft das Leben beschweren und das verbreitete Gefühl der Einsamkeit sind für mich ein Ausdruck dieses Missstandes. Mehr (Mit-) Menschlichkeit und Achtsamkeit im Umgang miteinander und mit sich selbst gepaart mit der Wahrnehmung, dass es mehr gibt als mein Auto, mein Haus und meine Familie sind probate Mittel, diese Ängste zu reduzieren.
Wie war das noch an ganz am Anfang, als sich die Urgemeinden bildeten? Da kannte jeder jeden im Dorf, da gab es auch wohlhabendere und ärmere Menschen, aber es wurde füreinander gesorgt.
Das gemeinsame Essen nach den Gottesdiensten zum Beispiel gehörte einfach dazu. Jeder brachte mit, was erübrigt werden konnte und so gab es ein vielfältiges Buffet, schon vor 2000 Jahren. Was übrig blieb, wurde unter den Armen verteilt. Witwen und Waisen wurden von der Dorfgemeinschaft mitversorgt.
Leider ging es nicht lange gut, schon bald wurden die Tafeln getrennt, die Reichen blieben unter sich, weil sie nicht einsehen konnten, dass sie die teuersten Leckereien mitbringen und die anderen davon essen.
Mal ehrlich: wer mehr als genug hat, hat doch dadurch keinen Mangel, oder?
Heute gibt es nach den Gottesdiensten in manchen Gemeinden noch Kirchenkaffee, man kann miteinander ins Gespräch kommen, neue Gemeindemitglieder kennenlernen und Gemeinschaft erleben. Ich denke, da ist noch Luft nach oben. Schließlich ist das gemeinsame Essen auch ein zentraler Bestandteil der christlichen Liturgie, denn im Abendmahl erinnern wir die letzte gemeinsame Mahlzeit Jesu mit seinen Aposteln und den neuen Bund.
Ich erlebe gerade in Krewelin ein so erfrischendes Beispiel dafür, dass die Kirche und das gemeinsame Essen ins Dorf gehört, dass ich davon erzählen muss: anlässlich des Dorfjubiläums am kommenden Wochenende zieht die Kirche dauerhaft nach draußen, es wird ein Kreuz errichtet, das das Dorf und die Passanten segnet. Und alle haben sich beteiligt, sowohl finanziell als auch mit manpower, denn so ein Kreuz muss gut gegründet sein. Der Segensspruch ist entlehnt aus 1 Mose 12,2: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. Dieses Kreuz gehört nun zum Dorfbild und wird sich bei kommenden Festen rund um die Kirche weiterentwickeln. Und uns daran erinnern, dass wir als Christen doppelt beschenkt sind: wir sind gesegnet – und wir können für andere ein Segen sein!
Die Kirche gehört zum Dorf!
Bleiben Sie im Segen!

Herzlich Kerstin Frieboese
erstellt von Mathias Wolf am 02.06.2018, zuletzt bearbeitet am 13.06.2018
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv

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