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Vom Sinn von Hubertus
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Vom Sinn von Hubertus

Andacht von Pfarrer Gernot Fleischer, Pfarrsprengel Lychen und Bredereiche

Jetzt im Herbst beginnen sie wieder: die Gesellschaftsjagden. Treiber drücken unter Mithilfe von Jagdhunden das Wild aus seinen Einständen, und so können die Jäger es effektiv zur Strecke bringen. Man kann diese Art der Jagd infrage stellen, in der Tat. Viele stellen auch die Jagd an sich infrage, nennen sie „Mord“ an schutzlosen Tieren. Wenn dann noch die Kirche in diesen Tagen um den 3. November herum, dem Tag des Heiligen Hubertus, Gottesdienste zusammen mit den Jägern feiert, dann ist das für manche mehr als fragwürdig. Wie kann Kirche das verantworten: einen Segen zu sprechen über die, die eben noch getötet haben? Draußen vor der Kirche noch das Blut -der „Schweiß“- auf dem Streckenplatz, vielleicht auch noch an unseren Händen - …und dann im Kerzenschein eine Legitimation all dessen: der Jagdkult mit dem Kult der Kirche noch verbunden, welch widerliche Verquickung, so mögen Kritiker sagen und fassungslos den Kopf schütteln.
Ich sehe es anders - als Pfarrer, der ich zugleich Jäger bin. Ich sehe die Jagd als etwas zutiefst Natürliches, der Schöpfung Eingegebenes. Wir leben auf dieser Erde nicht im Paradies, wo Wolf und Schaf beieinander weiden. Der Mensch ist (auch) Fleischesser. Ohne Fleischverzehr hätte er sich nicht zu dem entwickelt, der er geworden ist. Das Töten von Tieren gehört zum geschöpflichen Leben dazu. Es kommt aber auf das Wie an. Und hier hat die Kirche etwas Mahnend-Erinnerndes zu sagen. Das Tier ist eben Mitgeschöpf, würdevolle Kreatur. Der gläubige Mensch sieht sich von Gott beauftragt, für seine Mitschöpfung Sorge zu tragen. Das schließt das Töten des einzelnen Tieres nicht aus, wohl aber einen Umgang mit dem Tier ein, der jedes unnötige Leiden vermeidet. Ein solches Bewusstsein spiegelt sich nicht zuletzt in der sogenannten Waidgerechtigkeit wider, der sich jeder Jäger verpflichtet fühlen sollte. Daran aber auch im Rahmen einer Hubertusmesse zu erinnern, ist mindestens sinnvolle, wenn nicht gar notwendige Aufgabe der Kirche. Es fördert eine waidgerechte Jagdkultur, die den Tieren zugute kommt.

von Pfarrer Gernot Fleischer,
Pfarrsprengel Lychen und Bredereiche
erstellt von Mathias Wolf am 03.11.2018, zuletzt bearbeitet am 14.02.2019
veröffentlicht unter: Andachtsarchiv

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