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Bericht des Superintendenten zur Kreissynode am 3. und 4. September 2021 Zehdenick
Foto: KKOHL / Stefan Determann

Bericht des Superintendenten zur Kreissynode am 3. und 4. September 2021 Zehdenick

Hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder,

das Normale ist längst das Außerordentliche und das Außerordentliche der Regelfall geworden.Seit gut anderthalb Jahren leben wir nun nach dieser Regel, seit die Coronapandemie im Alltags- und im Gemeindeleben so ziemlich alles Selbstverständliche in Frage gestellt hat. Am Anfang erschien vieles wie eine überschaubare kurzfristige, aber notwendige Reaktion auf eine besondere pandemische Lage: wir verzichteten für einige wenige Wochen auf Angebote für Kinder und Jugendliche, nahmen Rücksicht auf die besonders verletzbaren Gruppen, wie Senioren und Seniorinnen, am Ende aber griffen alle Regeln tief und nachhaltig ins Gemeindeleben ein. Kontaktbeschränkungen und Lockdown führten zweimal dazu, dass lange Zeit Präsenzgottesdienste nicht stattfinden durften oder nach langen Diskussionen der beteiligten Gremien an vielen Orten auch nicht stattfinden sollten. Wir mussten lernen, Inzidenzwerte oder Hospitalisierungsraten immer wieder zu deuten und unsere Schlüsse daraus zu ziehen, die jeweilig angepassten Eindämmungsverordnungen zu befragen, was sie für unseren Gemeindealltag bedeuten. Wir haben Kritik geübt und mussten uns Kritik gefallen lassen, ob nicht der angeordnete oder selbst verordnete Lockdown dazu geführt hat, Menschen im Stich zu lassen. Wir sind mit unserem Glauben mal mehr oder manchmal auch erschreckend wenig gefragt gewesen, wie denn von einem gnädigen Gott im Angesicht eines gnaden- und grenzenlosen Virus überhaupt noch geredet werden kann. Eine Theologie, also eine Gottesrede nach Corona ist nicht wirklich in Sicht, es sei denn wir begreifen grundsätzlich neu, wie bedroht unsere Existenz immer wieder ist und wie wenig selbstverständlich die von uns selbstverständlich erlebte Bewahrung im Alltag ist. Die erste Schöpfungserzählung berichtet, dass Schöpfung vor allem meint, bedrohliche Chaosmächte in ihre Grenzen zu weisen und zu halten, das sprichwörtliche Tohuwabohu einzudämmen und darauf zu vertrauen, dass Gott diese Kräfte unter Kontrolle behält, um Lebensräume zu schaffen. Genau in diese Situation scheinen wir mit einmmal zurückgeworfen.

Wir haben Ostern und Weihnachten zum Teil ohne Gottesdienste gefeiert, es gab also keinen Raum für die Feste, die unseren Glauben ausmachen: die Menschwerdung Gottes und das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu. Manche befürchteten, wir hätten damit deutlich gemacht, wie verzichtbar der gemeinschaftliche Glaube im Alltag ist. Manchmal erlebe ich uns in all diesen Diskussionen wie das wandernde Gottesvolk in der Wüste, mit einer klaren Erinnerung daran, wo wir herkommen einschließlich der Verklärung verlorenen Umstände und einer nur unbestimmten Vorstellung, wo wir hinwandern sollen oder dürfen, weil Gott uns ein Ziel, eine Heimat verspricht. Wolken- und Feuersäule sind nicht immer zu erkennen, die Orientierung fällt allen schwer. Wir sind und bleiben Suchende.

Zugleich erlebe ich, wie wir neu lernen und entdecken, worauf es uns aber leidenschaftlich ankommt: in Verbindung zu bleiben, das gelang mit neuen Gemeinschaftsformen. Gottesdienste wurden per Telefon, per Zoom, mit Andachten in der Tüte, Briefen, Hausandachten und diversen Onlineangeboten gefeiert, bis heute gibt es aus der Region Templin das Angebot Mukkefuk mit Gesprächen, Kurzpredigten, Musik und ähnlichem, wir trafen uns – als es wieder möglich war unter freiem Himmel oder zogen mit dem Fahrrad von Kirche zu Kirche. Die alte reformatorische Einsicht, dass Trost- und Hoffnungsbotschaften mit allen zur Verfügung stehenden modernen Medien unter die Menschen gebracht werden können, hat sich bewährt. Auf die Onlineandachten des Kirchenkreises besonders im zweiten Lockdown aus verschiedenen Kirchen des Kirchenkreises werde ich noch heute oft bei Gottesdiensten und Gemeindebesuchen dankbar angesprochen, auch mit dem Hinweis wie schön es sei, die vielen Kirchen und Orte im Kirchenkreis so ein wenig kennengelernt zu haben. Menschen erzählen mir bei allem Schmerz über die fehlende Gemeinschaft vor Ort, wie gut es ihnen tat, sich über die Andachten im Kirchenkreis verbunden zu fühlen und vermissen sie trotz der Gemeindegottesdienste auch ein wenig als zusätzliche geistliche Angebote. Es hat sich gezeigt, wie wichtig die Öffentlichkeitsarbeit des Kirchenkreises stellvertretend für alle Kirchengemeinden ist und wie gut es ist, dass wir Stefan Determann als Mitarbeitenden für diesen Arbeitsbereiche gewinnen konnten, der mit unglaublichem Einsatz und hoher Kreativität viele Formate entwickelt und umgesetzt hat, der gerade die Idee eines Osterheftes mit Angeboten für alle Generationen und Hausgottesdiensten gerne aufgegriffen und gestaltet hat. Ihm möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich danken und betonen, wie froh ich bin ihn als Mitarbeitenden in unserer Mitte zu wissen. Das Singen hat vielen so unendlich gefehlt. Oft im Alltag ein wenig mühselig mit den alten Melodien und alten Texten erlebt, sehnten sich viele plötzlich nach unbeschwertem Singen nicht nur in Chören, sondern auch in Gottesdiensten und erzählten wie schön es war, dann zu Hause aus voller Kehle singen zu können, egal ob die Töne stimmten oder nicht. Das gesungene Gebet, voller Hoffnung, Angst oder Trauer ist wohl doch ein entscheidender Dialekt des Glaubens. Was vieler Orts noch fehlt ist die Abendmahlsgemeinschaft, wenn Hygienevorschriften traditionelle Formen verhindern. Zwar hat es in den letzten Jahrzehnten eine Erneuerung evangelischer Abendmahlsfrömmigkeit gegeben, aber noch hat sie nicht den Stellenwert wie bei unseren katholischen Geschwistern, die sich Gottesdienst dauerhaft ohne sonntägliche Eucharistie nicht vorstellen können. An manchen Orten wurde online Abendmahl gefeiert, von anderen wurde dies scharf kritisiert, weil der Aspekt, Brot und Wein zu teilen, einander zu reichen, beschenkt zu werden, fehlt. Ich würde diese Kritik dennoch in Frage stellen und darauf verweisen, dass Gemeinschaft ja auch im Hören und Singen virtuell erlebt werden kann, warum dann nicht auch im Abendmahl, wenn wir wieder in Situationen kommen sollten, wo wir uns nicht präsentisch treffen. Bis dahin gilt es, nach Formen zu suchen, auch wieder real unter Einhaltung von Hygieneregeln Brot und Wein zu teilen und zugleich über die Fragen eines virtuellen Abendmahles im Gespräch zu bleiben.

Die Coronakrise hat uns auch gelehrt, danach zu fragen, wie wir Kirche sind und was wir als Kirche für die Menschen in die Gesellschaft einbringen. Es mag schmerzhaft gewesen sein, bei den Impfkampagnen nicht als systemrelevant eingestuft worden zu sein, aber es hat uns gestärkt in dem Bewusstsein, lebensrelevant zu sein, was auch die Trauerandachten für die Opfer der Coronapandemie oder auch die Vielzahl von öffentlich-rechtlich verantworteten Gottesdiensten in den Medien gezeigt haben. So präsent waren die Kirchen und damit wir Christen in der Gesellschaft schon lange nicht mehr. Es hat auch deutlich gemacht, dass wir in der Selbstreflektion zu einem neuen Verhältnis von Glauben, Halt, Orientierung und Trost im Hören auf die biblische Botschaft auf der einen Seite und dem moralischen Kompass, den eine Gesellschaft dringend braucht, kommen müssen, damit Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung aber auch in ihrem öffentlichen Handeln nicht auf das Moralische reduziert wird, sie hat vor allem Gott und Jesus Christus als Grund und Trost zu Worte kommen und zur Sprache bringen zu lassen.
Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen haupt- und mindestens ebenso allen ehrenamtlich Mitarbeitenden für ihren Einsatz, ihre Kreativität und Tatkraft danken, mit der sie sich in den letzten anderthalb Jahren unter schwierigen Rahmenbedingungen engagiert haben. Es ist gut, dass wir diesen Dank heute stellvertretend auf einer Präsenzsynode aussprechen und einander ganz und gar wahrnehmen können. Und ich wünsche mir sehr, dass wir über die Erfahrungen der letzten anderthalb Jahre im Gespräch bleiben ganz im biblischen Sinne: prüfet alles und das Gute bewahret. Konkret stellt sich damit die Frage, ob manche coronabedingte „Not“-Lösung diese Krise nicht sogar überdauern sollte als dauerhaftes Angebot in den Kirchenkreis und seine Pfarrsprengel und Gemeinden hinein.

Menschen erzählen, dass sie auch gelernt haben, in ihrem Leben Schwerpunkte anders zu setzen und mit anvertrauter Zeit bewusster umzugehen. Krisenzeiten sind oft Lernzeiten.

Auch in den praktischen Leitungsaufgaben des Kirchenkreises standen wir vor besonderen Herausforderungen. Es gab eine ganze Reihe von Besetzungsverfahren. So konnten wir in Gransee und Zehdenick die Kirchenmusikerstellen mit Frau Schäfer und Frau Klusaczek wieder besetzen und haben Wahlverfahren unter Coronabedingungen organisiert. Ich weiß, wie schwer der Start in die neuen Aufgabenfeldern mit nur begrenzten Tätigkeitsfeldern war, freue mich aber zu sehen, wie gut der Übergang gelungen ist. Dank der Unterstützung der Kirchenmusiker*innen und den Gemeinden konnte wir mit einem Fond als Kirchenkreis wenigstens symbolisch auch Musikerinnen und Musiker unterstützen, denen gerade als Freiberufler viele Auftrittsmöglichkeiten weggebrochen waren und sie somit auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht waren.
In Gransee lief ein ganzes Pfarrstellenbesetzungsverfahren bis auf die Pfarrwahl online und nun freut sich der Pfarrsprengel mit seinen Gesamtkirchengemeinden über den Neustart mit Pfarrer Sebastian Wilhelm, den wir heute auch schon als Synodalen seines Pfarrsprengels hier begrüßen durften. Das Verfahren in Lychen läuft. Zwei Bewerber*innen stellen sich vor. Für Velten, Liebenwalde und Leegebruch sind Entsendungspfarrstellen beantragt und erste Interessen*innen haben sich vor Ort informiert und sich umgeschaut.

Nach zwanzig Jahren in der Superintendentur haben wir Frau Franke als Ephoralsekretärin und Mitarbeiterin im März verabschiedet und konnten zugleich Frau Katrin Beil als neue Mitarbeiterin in der Superintendentur gewinnen. Und ich glaube im Namen aller sagen zu können, dass dies wirklich ein Gewinn für uns als Kirchenkreis ist, sie als Ansprechpartnerin und Verantwortliche im Büro des Kirchenkreises zu haben. Deshalb sage ich an dieser Stelle noch einmal herzlochen Dank an Renate Franke für ihre lange Mitarbeit und ein herzliches Willkommen an Frau Beil im Kirchenkreis, den sie hoffentlich nicht nur als Arbeitgeber, sondern auch als lebendige Gemeinschaft erleben und erfahren.

Im Arbeitsbereich der Arbeit mit Kindern und Familien konnte Konfirmanden7in Vanessa Luplow für den Pfarrsprengel Oranienburg gewonnen werden und hat mit viel Engagement ihre Tätigkeit aufgenommen. Für die Pfarrsprengel Templin wiederholt und Gransee erstmals laufen gerade die Verfahren zur Wiederbesetzung der ja auch im Stellenplanentwurf vorgesehenen Stellenanteile, um diesen zentralen Bereich der Verkündigungsarbeit zu stärken und zu erhalten.
Klassische Angebote der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konnten coronabedingt nicht in der gewohnten Weise stattfinden. Konfirmandencamps und Kindercamps fanden nicht statt, dafür aber haben die Mitarbeitenden im Bereich der Arbeit mit Kindern erstmals ihr Sommerhauskonzept, das Angebot mehrere Rüstzeitwochen in Vietmannsdorf umgesetzt und viele positive Erfahrungen gemacht und Rückmeldungen erhalten. Einen ganz besonders herzlichen Dank dafür den Gemeindepädagoginnen und Ulrike Gartenschläger als Kreisbeauftragter für die Arbeit mit Kindern und Familien für diese Initiative und dieses Angebot.

Der KKR hat im letzten Jahr gelernt konzentriert per Zoom, oder manchmal auch kurzfristig im schriftlichen Umlaufverfahren auf Anfragen und Entscheidungssituationen zu reagieren, sich aber ebenso gefreut, dann nach langer Zeit auch wieder präsentisch tagen und verschiedene Orte aufsuchen zu können. Auch der kreiskirchliche Bauausschuss hat, vom KKR kommissarisch eingesetzt in den letzten Monaten gearbeitet, damit nicht nur 2021 mit den Baubeihilfen des Kirchenkreises, sondern auch 2022 die angedachten Vorhaben realisiert werden können. Dabei sind die Voraussetzungen in den letzten Monaten und Jahren nicht einfacher geworden. Die Höhe der Fördermittel ist begrenzt, oft mit schwierigen Antrags- und Abrechnungsmodalitäten verbunden, aber die Kosten steigen immens. Daher bin ich für jedes erfolgreiche Bauvorhaben dankbar und nenne stellvertretend für alle kleineren oder größeren Maßnahmen die Turmsanierung der St. Marienkirche in Gransee, die Sanierung der Kirche in Menz, die sich ihrem Ende zuneigt, die Sanierung der Kirche in Zabelsdorf, die Turmsaniernung in Zehlendorf, die Sanierungsarbeiten in Nassenheide. Ich weiß, wie viel Arbeit und Zeit, wie viel Engagement der Pfarrer und Pfarrerinnen, der Gemeindekirchenräte, aber auch der Vertreter der Baukommission, die mit Rat und Tat unterstützt haben, damit verbunden waren und sind. Trotz Coronakrise bin ich froh, dass mit dem heute der Synode zur Beschlussfassung vorgelegten Haushaltsplan wir auch im kommenden Jahr mehr Mittel als uns aus den Bauzuweisungen zufließen für die Sanierungs- und Baumaßnahmen zur Verfügung stellen können.

Auch der Haushaltsauschuss hat, kommissarisch vom KKR beauftragt, seine Arbeit aufgenommen und legt heute der Synode einen Haushaltsplan vor, der zeigt, wie dankbar wir immer noch für die vielen Möglichkeiten sein dürfen, miteiner großen von Mitarbeitenden im Haupt- und Ehrenamt zu arbeiten, Projekte zu initiieren und Unterstützungen zu leisten. Das gilt für die kirchenmusikalischen Angebote und Konzertreihen in den Regionen ebenso wie in der praktischen Arbeit zum Beispiel der Flüchtlingsberatung oder der Flüchtlingsseelsorge, die mit der Lage in Afghanistan noch einmal vor ganz neuen Herausforderungen stehen wird. Es ist gut, dass wir hier Beratungsangebote für Gemeinden und für Menschen auf der Flucht vorhalten können. In den letzten Jahren haben sich viele Gemeinden in der Begleitung und Integration von Menschen auf der Flucht engagiert und vieles geleistet. Neben der Integrationsarbeit ist auch die gesellschaftliche Diskussion über Flucht und Migration, über Ursachen und damit verbundenen Herausforderungen wichtig. Gerade in diesem gesellschaftlichen Diskurs spielt die Flüchtlingsberatungsstelle des Kirchenkreises eine wichtige Rolle und die Zukunft der Beratungsstelle wird eines der wichtigen Themen der nächsten Jahre auch für den zuständigen Facharbeitskreis der Kreissynode sein.

Die Arbeitsgruppen, die sich den Partnerschaften widmen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich erwähnen. Da ist zum einen der Kreis der Simbabwepartnerschaft, der immer in intensivem Kontakt mit den Vertretern der Partnerschaft vor Ort steht und viele Information zur politischen, wirtschaftlichen und im Augenblick vor allem medizinischen Situation erhält und versucht darauf zu reagieren. Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, an einem ersten Ort, in Mulindi einen Brunnen fertigzustellen, der für Schule, künftiges Krankenhaus und Dorfgemeinschaft die Wasserversorgung erheblich verbessert und damit ein wesentlichen Beitrag zur Selbstversorgung und Unabhängigkeit der Menschen vor Ort leisten kann.

Und da ist ein neuzubildender Arbeitskreis, der die Kontakte nach Zeiden in Rumänien im Blick behält. Diese Partnerschaft ist gerade auf beiden Seiten in einem Umbruch begriffen, da wir hier neue engagierte Mitstreiter*innen voller Neugierde auf dieses europäische Nachbarland und die besondere Situation der Siebenbürger Sachsen in Rumänien suchen und zugleich in Zeiden ein Pfarrstellenwechsel sich vollzieht, weil der bisherige Amtsinhaber Andreas Hartig der ja auch schon Gast unserer Kreissynode war, eine neue Pfarrstelle in Österreich angetreten hat und wir gespannt auf seine angekündigte Nachfolgerin sind. Es ist gut, dass Vertreter der bisherigen Arbeitsgruppe noch einmal nach Rumänien gefahren sind, um Andreas Hartig auch in unsrem Namen zu verbschieden. Zugleich können sie auch die Fortschritte bei der Sanierung der Kirchenburg in Augenschein nehmen, die wir mit Mitteln aus der Partnerschaftsarbeit unterstützt haben. Wir hoffen, dass sich Menschen finden, die diese Partnerschaft weiter pflegen und ihr auch neue Ziele und Inhalte geben können.

Auf die kommenden Aufgaben eines Ausschusses möchte ich noch gesondert hinweisen und auf eine gute regional ausgewogene Besetzung hoffen. Wichtige Arbeit wird der künftige Strukturausschuss leisten.
Jedes Jahr müssen wir als Kirchenkreis einen genehmigungsfähigen Stellenplan vorlegen, um sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen und Pfarrstellen, so sie vorgesehen und eingerichtet sind, auch besetzen zu können, in dem die dauerhafte Finanzierung dargelegt wird. In den letzten Jahren war es wie in diesem Jahr immer noch möglich den Stellenplan in seiner Grundstruktur jeweils fortzuschreiben und annähernd alle freiwerden Stellen auch wieder auszuschreiben.
Für die kommenden Jahre aber stehen wir vor großen Herausforderungen. Da immer noch überwiegend demographisch bedingt die Mitgliederzahl im Kirchenkreis jährlich um ca 500 Gemeindeglieder sinkt (was im Norden jeweils die Größe einer Pfarrstelle darstellt), ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch finanziell auswirkt, weil Steigerungen der Steuereinnahmen diesen Rückgang nicht dauerhaft wird kompensieren können. Erinnert sei an die Diskussionen rund um die Freiburger Studie. Aber auch die Frage, welche Professionen wir in welcher Anzahl und welchem Verhältnis zueinander wir brauchen, stellt sich nach meiner Wahrnehmung zunehmend neu und anders. Immer mehr Gemeinden und Regionen formulieren den Bedarf an entlastender und professioneller Verwaltungsarbeit. Sie ist eben nicht nur Anhängsel, sondern Voraussetzung auch für gute Arbeit in den Gemeinden für die verschiedenen Generationen und sichert auch die materielle Basis aller anderen Dienste. Durch professionelle Verwaltung, so die Erwartung, entsteht auch Entlastung für Verkündigung. Die Öffentlichkeitsarbeit hat in der Coronakrise gezeigt, wie wichtig sie im Kontext der Verkündigungsdienste als eigener und al eigenständiger Arbeitsbereich ist. Die unterschiedliche Größe von Pfarrsprengeln und damit auch die Verschiedenheit in der Zahl der zu betreuenden Orte und der Gemeindeglieder lässt nach Verteilungsgerechtigkeit auf der einen Seite und Grenzen der Belastbarkeit auf der andren Seite fragen, insbesondere wenn Erwartungen zu Vakanzverwaltungen oder die Verpflichtung zum RU noch dazu kommen. Wie also kann transparent, nachvollziehar und vergleichbar auch zukünftig die Größe einer Stelle im Pfarrdienst beschrieben werden, welche Konzepte liegen für die Gemeinden und Regionen in den Arbeitsbereichen Kirchenmusik, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und welche dieser Stellen können wir auch in 5 oder gar in 10 Jahren nach menschlichem Ermessen mit den dann zu erwartenden Einnahmen finanziert werden. Wieviel gute Verwaltung leisten wir uns zur Entlastung der Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst und zum Wohl der Gemeinden und vor allem: wie gehen wir mit dem Kirchengemeindestrukturgesetz und dem Gemeindegliederzahlengesetz um, zu dem wir am 21.August in Zehdenick ja eine Konsultation mit Vertreter*innen der Landeskirche hatte. Mir wäre es wichtig diese Diskussion nicht nur unter dem Aspekt zu führen, welche schmerzhaften Veränderungen dies mit sich bringt, sondern auch welche Erfahrungen haben denn Gemeinden bereits gemacht, die sich wie im Pfarrsprengel Herzfelde, im ehemaligen Pfarrsprengel Kremmen oder Vehlefanz und Schwante zu neuen Kirchengemeinden mit mehreren kirchlichen Orten und nun gemeinsamer Finanzkraft zusammengeschlossen haben, oder die sich wie im Pfarrsprengel Gransee mit der Bildung der beiden Gesamtkirchengemeinden Gransee und Menz und damit relativ eigenständigen Ortskirchen für diesen Weg der Zusammenarbeit entschieden haben. Sicher war auf der Konsultation auch zu hören, dass solche Prozesse, auch die Diskussionen, Zeit und Information brauchen, aber ich habe auch eine konstruktive Bereitschaft wahrgenommen, sich den Herausforderungen zu stellen, dass viele Aufgaben vom Datenschutz über den Arbeitsschutz, die Funktion eines Klimakümmeres, die besetzt werden sollen, eben bis hin zu Verwaltungstätigkeiten in Regionalküstereien am besten gemeinsam angegangenen werden können, ohne deswegen Orte aufzugeben, wenn man sich für das eine oder andre Modell der Kooperation bis zur nächsten GKR Wahl entscheidet.

Ohne damit wirklich alle Themen berührt zu haben, möchte ich zum Abschluss des Berichtes ihren Blick auf den kommenden Kreiskirchentag richten. Anfang des Jahres hatte der Kirchenkreis Oberes Havelland zehnten Geburtstag. Heute ist der Kirchenkreis Oberes Havelland als Rahmen und Bezugsgröße der Gemeinden weitgehend unstrittig. Ich halte dies für ein gutes Zeichen, will wir auf der Ebene der Mitarbeitenden wie selbstverständlich die Dienstgemeinschaft leben, mit unserem Finanzsystem einen guten Ausgleich auch innerhalb des KK organisieren und mit dem Kreiskirchentag nun auch unsere Weggemeinschaft der Gemeinden feiern wollen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Begriffe Heimat, zu der die Kirche im Dorf gehört, das Thema Weite, in der wir miteinander verbunden sind und Welt, in die hinein wir Partnerschaften wie nach Simbabwe, Rumänien aber auch Altenkirchen im Westerwald pflegen. Wir bereiten seit einigen Monaten dieses Treffen vor und freuen uns auf Begegnungen - hoffentlich fast unbemerkt von den notwendigen Beschränkungen die die immer noch nicht überwundene Coronapandemie mit sich bringt. Es zeichnet uns Christen aus, dass wir jenseits aller Leitungsaufgaben, die ja auch eine Synode beschäftigen, unsren Glauben feiern und uns gemeinsam auf den Weg machen wollen. Ich bin gerne in diesem Kirchenkreis mit ihnen unterwegs. Meine Bereitschaft das auch in den kommenden Jahren gerne zu tun, habe ich den Verantwortlichen gegenüber bekräftigt, wenn sie mir Ihr Vertrauen weiter schenken und danke ihnen an dieser Stelle erst einmal für ihre Aufmerksamkeit.
erstellt von Stefan Determann am 04.09.2021
veröffentlicht unter: Kreissynode

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