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Superintendent Uwe Simon im Interview mit der MAZ: Wir haben die Situation gemeistert

25.05.2020 von Bert Wittke, Märkische Allgemeine

Auch der Kirchenkreis Oberes Havelland kämpft mit der Corona-Pandemie und ihren Folgen. Zuletzt musste man sich in diesem Zusammenhang sogar mit dem Landkreis auseinandersetzen. Über Kirchenarbeit in Corona-Zeiten sprach die MAZ mit dem Superintendenten des Kirchenkreises Obereres Havelland, Uwe Simon.

Die Welt im Würgegriff von einem Virus – das kann Gott eigentlich nicht gewollt haben.

Uwe Simon: Da sind wir bei einer Frage, die immer gestellt wird, wenn ein Unglück geschieht. Warum lässt Gott so etwas zu? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Ereignisse wie die Corona-Pandemie führen uns stets vor Augen, dass das Leben und die Welt nicht nur wunderschön, sondern auch gefährdet und bedroht sind. Es rüttelt uns gewissermaßen aus einer trügerischen Sicherheit wach. Zugleich erfahren wir in solchen Lebenslagen aber auch, dass Gott, der immer wieder auch der unbegreifliche Gott bleiben wird oder wie Luther es ausdrückt „der verborgene Gott“ uns dennoch nicht allein lässt. Er leidet mit, er tröstet uns, ist mit uns im Unglück also solidarisch und lässt uns auch auf verständnisvolle Menschen treffen, die uns weiterhelfen.

Und nun fiel die Anfangsphase dieser Pandemie auch noch ausgerechnet in die Passionszeit.

Die Menschen stöhnen unter der Coronakrise und Jesus musste auf dem Weg zur Kreuzigung große körperliche Schmerzen ertragen. Und schließlich musste Gott den Tod seines Sohnes mit ansehen. Gott steht an der Seite der Leidenden, weil er selbst leiden musste. Dieser Gedanke christlichen Glaubens empfinden viele Leute als tröstlich. Es lässt sie Schmerzen, Angst und Trauer aushalten, da sie doch wissen, dass Gott einst ebenfalls all dies erfahren musste, weil sein Sohn am Kreuz gestorben ist. Aber so zerbrechlich das Leben ist, so entsteht doch immer wieder neues. Dafür steht das Osterfest und die Auferstehung von Jesu Christi. Dieser Wechsel von Tod und Auferstehung und die Tatsache, dass aus jeder noch so schmerzlichen Situation wieder etwas Neues entstehen kann, ist letztlich die Botschaft der Passionszeit und des Osterfestes.

Eine Folge der Eindämmungsverordnung ist der Ausfall der Frühjahrssynode des Kirchenkreises. Ein Problem für Sie?

Wir sind verpflichtet dazu, einmal im Jahr eine Synode durchzuführen. Wie haben uns bislang sogar zweimal getroffen – im Frühjahr und im Herbst. Also noch ist genügend Zeit, die Synode durchzuführen. Es war auf jeden Fall richtig, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen und die Frühjahrssynode abzusagen. Die Gesundheit ist wichtiger als alle Gremien, zumal die Arbeitsfähigkeit nicht gefährdet war und ist.

Gibt es schon einen Nachholtermin?

Wir haben dafür den 7. November ins Auge gefasst.

Gibt es schon einen Veranstaltungsort?

Nein. Die Frühjahrssynode sollte eigentlich in der Hospitalkapelle in Gransee stattfinden. Unter Beachtung der Eindämmungsverordnung hätte sie dort zum Beispiel nicht abgehalten werden können. Wir sind etwa 70 Synodalen im Kirchenkreis und hätten dort nicht ausreichend auf Abstand gehen können.

Aber sollten bei der Frühjahrsynode nicht auch die Führungsgremien des Kirchenkreises neu gewählt werden.

Das stimmt, ist aber auch nicht schlimm. So bleiben alle Gremien bis zur nächsten Synode weiter im Amt. Auf jeden Fall sind wir weiter voll handlungsfähig und haben das auch in den vergangenen Wochen unter Beweis gestellt.

Was sicher nicht so leicht war.

Nein, aber wir haben die Situation gemeistert und als Herausforderung angenommen. Es gab viele Telefonkontakte, sehr viel E-Mail-Verkehr .Und dann natürlich Videokonferenzen auf vielerlei Ebenen. Ich habe oft zu Beratungen und Tagungen mit meinem Laptop am Schreibtisch gesessen.

Aber etliche Leute sollen die Gottesdienste vermisst haben.

Gottesdienste haben immer stattgefunden, nur auf eine andere Art und Weise, als wir es bisher gewöhnt waren. Ich erinnere mich zum Beispiel an zahlreiche Videoandachten. In einigen Gemeinden haben die Pfarrerinnen und Pfarrer schriftliche Segenswünsche an der Kirche angebracht, die sich die Leute dort wegnehmen konnten. Es gab Telefongottesdienste. Zu Ostern sind Kirchenmusiker und Pfarrer im Löwenberger Land mit Trecker und Hänger über Dörfer gezogen und haben Musik gemacht und die Osterbotschaft verkündet. Oder nehmen Sie die Familie Herrig aus Malz, die jeden Sonntag vor der Kirche in Friedrichsthal musiziert. Seit Anfang Mai sind Gottesdienste wieder möglich und am Himmelfahrtstag unter Einhaltung aller Abstandsregeln an vielen Orten Gottesdienste unter freiem Himmel gefeiert.

Das hat Ihnen aber auch heftige Kritik seitens des Landkreises eingebracht. Der wollte die Gottesdienste ja sogar verbieten.

Die Differenzen sind inzwischen ausgeräumt. Für Irritationen hat vor allem die Tatsache gesorgt, dass in der Eindämmungsverordnung von genehmigten Gottesdiensten in Kirchen, Moscheen, Tempeln und so weiter die Rede ist, nicht aber von Gottesdiensten unter freiem Himmel. Der Landrat hat mir versichert, dass er nie vor hatte, die Religionsfreiheit einzuschränken.

Und Sie haben sich ja auch nicht abhalten lassen, die Gottesdienste am Himmelfahrtstag durchzuführen. In Zehdenick sogar in Anwesenheit von Landesbischof Christian Stäblein. Hatten Sie keine Bedenken, dass die Ordnungsbehörden einschreiten würden.

Nein, denn wir haben uns in Absprache mit den Landesministerien im recht gefühlt. Und mir ist im Nachgang auch versichert worden, dass die Stadt Zehdenick nach Rücksprache mit dem Landkreis zu keinem Zeitpunkt vor hatte, den Gottesdienst zu verhindern. Letzten Endes hat auch nur die Kirchengemeinde Velten auf ihren Antrag hin eine Nachricht bekommen, die unter Verweis auf die Eindämmungsverordnung als Ablehnung verstanden wurde. Dort haben sich dann die Gemeindeglieder in die Kirche zurückgezogen.

Jetzt steht Pfingsten vor der Tür. Wie sind Sie mit dem Landrat verbleiben, um ähnliche Auseinandersetzungen künftig zu verhindern?

Wir haben regelmäßige Konsultationen vereinbart. Das macht ja auch Sinn. Schließlich haben wir im Landkreis fast 30 000 Gläubige verschiedener Konfessionen. Das ist eine beträchtliche Zahl. Und außerdem erscheint mir wichtig, dass auf Landesebene eindeutig geklärt wird, wer für welche Ausnahmeregelungen zuständig ist. Das war in der Frage der Gottesdienste am Himmelfahrtstag doch eher ein ziemliches Durcheinander. Da herrschte diesbezüglich doch eine große Verunsicherung.

Unsicherheit herrscht vermutlich auch, wie sich Corona auf die finanzielle Situation im Kirchenkreis niederschlagen wird, oder?

Fakt ist, dass wir einen bestätigten Stellen- und Haushaltsplan haben. Sicherlich werden auch unsere Kirchensteuermittel deutlich zurückgehen, was nicht so ohne weiteres auszugleichen sein wird. Dennoch sind wir auch auf diesem Gebiet weiter handlungsfähig, weil wir in der Vergangenheit vorsorgend gewirtschaftet haben.

Können Sie Beispiel dafür nennen?

Wir haben zum 1. Mai Maraike Schäfer als Kirchenmusikerin in Gransee angestellt. In Zehdenick stellen sich am Dienstag eine Kirchenmusikerin und ein Kirchenmusiker vor und es wird noch am selben Tag ein entsprechendes Votum geben. Pfarrerin Nele Poldrack wird weitere sechs Jahre die 50-Prozent-Stelle als Krankenhausseelsorgerin in Sommerfeld bekleiden und sich künftig ausschließlich auf diese Arbeit konzentrieren. Deshalb wird jetzt die Pfarrstelle in Leegebruch neu ausgeschrieben- Und auch die halbe Stelle für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis ist mit Stefan Determann neu besetzt worden.

Hätte der Posten des Superintendenten des Kirchenkreises Oberes Havelland jetzt auch neu gewählt werden müssen?

Nein, der Superintendent ist immer eine Dekade lang im Amt. Ich war von 2002 an Superintendent des Kirchenkreises Templin-Gransee und ab 2012 Superintendent des Kirchenkreises Oberes Havelland. Seit 2013 wohne ich Gransee, wo sich auch mein Dienstsitz befindet.

Wie sind Sie persönlich eigentlich über die vergangenen Corona-Wochen gekommen?

Ich habe viel unter Home-Office-Bedingungen gearbeitet und in der Zeit, die ich durch wegfallende Wege gewonnen habe, meine Umgebung hier quasi ganz neu entdeckt – aus der Perspektive eines Wanderers oder auch Fahrradfahrers. Die herrliche Umgebung und die viele frische Luft haben zur Entspannung und Entschleunigung gut getan. Wir haben hier doch wirklich eine herrliche Natur. Wo läuft einem schon mal ein Biber beim Spazieren über den Weg? Während der Wanderungen haben ich aber nicht nur die Seele baumeln lassen und den Frühling genossen. An der Luft habe ich vieles sortieren, über manches meditieren und vieles vorbereiten können. Das war eine sehr intensive Erfahrung.

Von Bert Wittke
Das vollständige Interview bei MAZonline (aktuell noch mit Zahlschranke)
veröffentlicht unter: Presseberichte

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