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KreisFrauenTreffen zum Mirjamtag in der Leegebrucher Kirche
Foto: KK-OHL / Stefan Determann

„Hier wandelt sich was und ich will es lernen, mich darauf einzustellen.“

03.09.2022 | Predigt zum MirjamGottesdienst 2022 nach Jesaja 35, 1–10 von Prädikantin Sabine Benndorf (Templin) am 3. September 2022 zum KreisFrauenTreffen in Leegebruch

Die Gnade Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft der Heiligen Geistkraft seien mir uns,
liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Geschwister im Glauben

wann endet dieser Sommer mit seiner Hitze und Trockenheit? Haben Sie sich das auch mal im Laufe des Sommers gefragt? Da bleibt man viel öfter drin, sitzt möglichst still und trinkt Wasser, statt draußen zu sein. Schließlich kann nicht jede und jeder ständig am See sein oder im See schwimmen.

Mir kam im Sommer der Gedanke, es ist bei uns inzwischen ein wenig wie im Heiligen Land. Als ich dort einmal Anfang Mai war, ließ sich das Blühen noch entdecken, aber das Gras war trocken und musste nicht mehr gemäht werden. Das wussten die Menschen, es regnet lange nicht mehr, sie waren darauf eingestellt, Blumenkästen gab es weniger. Im Garten Gethsemane blühten Stockrosen und nur an besonderen Orten fand sich wohl gepflegte Blumenpracht. Palmen standen an Straßen, Steppenlandschaft durchfuhren wir und die Wüste war karg, felsig und wenig grün. Es war nicht hässlich, sondern gehörte dorthin. Auch das Getreide auf dem Berg der Seligpreisungen war klein und spärlicher, aber direkt am See unten war es grün, Wasserpalmen im Freien habe mich an meinen selbstgezogenen im Blumentopf erinnert. Wein reifte schon in Talitha Kumi. Der Sommer begann dort eher und zieht sich lange hin, aber der Sommer ist nicht fad.

Es ist anders geworden auch in unserer Gegend, Weintrauben reifen viel besser, manche bauen jetzt Melonen an, Tomaten brauchen kein Zeltdach, manches gedeiht trotz der Trockenheit besser, anderes verdorrt. Doch der Rasen kommt wieder, die ersten Spuren sind schon entdeckt. Hochbeete sind in Mode gekommen, nicht nur weil man sich dann nicht mehr bücken muss, sondern, weil das Wasser dort besser hält. Geerntet habe ich trotzdem im Garten: Himbeeren, Kartoffeln, Johannisbeeren, Bohnen - und die Blumensträuße sind kleiner geworden. Hier wandelt sich was und ich will es lernen, mich darauf einzustellen.

Ebenso ist es in der Gemeinde, bei uns kommen durchschnittlich weniger Menschen zum Gottesdienst, das erlebe ich auch auf einigen Dörfern, auch die Anzahl von Gottesdiensten hat sich deutlich verringert, die Statistik der Kollekten verrät es. Manchmal wirkt es ganz schön öde. Müdigkeit macht sich breit, nicht nur wenn man älter wird und weniger Kraft hat.

Doch eine ehemalige Pfarrfrau (sie ist schon vor einigen Jahren verstorben) hat mir erzählt, dass schon zu ihr in den Gottesdienst zu Pfingsten niemand gekommen ist in einem kleinen Dorf, als fast alle noch in der Kirche waren. Trotzdem hat es seinen Wert, das offen ist, die Glocken läuten und eine für alle betet, oder nicht? Darüber lässt sich streiten.

Die Alterspyramide zeigt ein Bild von wenigen jungen Menschen, da hat man keine Lust sich das so genau anzusehen. Wo sind da frische Farben zu entdecken? Wer hat da Träume? Dieser Frauennachmittag zum Thema des Mirjamgottesdienstes hat sich auch verändert: Vor allem die Menschen vor Ort sind dabei, andere haben an ihren Orten so viel vor, dass sie kaum ihren Horizont überschreiten. Ja die Angebote sind sogar größer geworden, habe ich den Eindruck: Konzerte, gestaltete Wege, Kulinarisches, Zusammenhalt mit den Kommunen usw. das ist mein persönlicher Eindruck. Aber macht das müde oder macht uns das Lust?

Wir suchen heute nach Spuren des Wandels, wir merken ja, das sich immer wieder was ändert auch in unserem Leben.Als die Leute aus dem Exil in Babylon zurück kamen nach Jerusalem, fanden sie ja eine ziemlich kaputte Stadt vor, da flossen nicht Milch und Honig, es war gar nicht mehr wie vorher, der Glanz war verschwunden, der Tempel zerstört. Da war es nötig im Prinzip von vorn zu beginnen.

Jerusalem wollte wieder aufgebaut werden, auch die Sozialstrukturen gehören dazu. Spuren neuen gemeinsamen Lebens, davon spricht Jesaja. Ja da wächst neues und die Menschen haben Mut und Lust mitzumachen und sich einzusetzen für ihre Stadt Jerusalem, sie träumen weiter. Das was sie einmal in Babylon geträumt haben, das setzten sie nun langsam um und bereiten so die Ankunft Gottes vor. Es ist ein Geben und Nehmen. Der Traum wird weitergeträumt am Ort der Hoffnung, er wird konkreter und bald gibt es viele Farben.

Sind unsere Träume ausgeträumt? Derzeit wird uns ja viel Pessimistisches vorgehalten. Ständig hören wir, wir müssen sparen, wir müssen entlasten usw.:

Das ist ja im Prinzip richtig, aber solche Sätze machen wenig Lust.
Da höre ich doch lieber die Worte von Jesaja:

Wüste und dürres Gebiet sollen sich freuen!
Das öde Land möge jauchzen und blühen mit Narzissen!
Blühen möge es, blühen und jauchzen mit Jauchzen und Jubeln!
Die Pracht des Libanon wird ihm verliehen, die Zier des Karmel und des Scharon.
Sie sehen die Pracht GOTTES, die Zier unserer Gottheit.
Macht die schlaffen Hände stark und festigt die stolpernden Knie!
Sagt denen, deren Herz rast: „Seid stark! Fürchtet euch nicht!“
Schau hin: Eure Gottheit kommt zur Rache.
Das sind Wohltaten der Gottheit: Sie kommt und wird euch retten.
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet und die Ohren der Tauben aufgetan.
Dann werden die Lahmen wir Hirsche springen und die Zungen der Stummen jubeln.
Ja, in der Wüste brechen die Wasser auf und die Bäche im dürren Gebiet.
Dann wird der Wüstensand zum Schilftümpel und das durstige Land zur Wasserquelle.
Das Jagdgrund der Schakale wird zum Weideplatz und das Wüstengras zu Schilfrohr und Papyrus.
Eine Straße und einen Weg wird es dort geben. „Heiliger Weg“ wird er genannt werden.
Keine Unreinen gehen auf ihm. Er gehört denen, die ihn gehen, auch Dummköpfe gehen dort nicht in die Irre.
Dort wird kein Löwe sein, und kein reißendes Tier wird da gehen, sie befinden sich dort nicht, aber die Ausgelösten werden ihn gehen.
Die von GOTT Freigekauften werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jubel.
Fortwährende Freude ist in ihren Köpfen.
Frohlocken und Freude holt sie ein, und es fliehen Kummer und Seufzen.
Das ist ein wunderbares Wort, das wie ein Psalm Heil ankündigt. Es wiegt sich darin wie in einer Schaukel, in den Versen wird das Motiv in mindestens einer weiteren Weise aufgenommen. Die Bilder, die hier mit Worten gemalt werden, kann man sich gut vorstellen:

Wüste und Wasser, Gottes Gegenwart wandelt das Öde und Trockene in lebendiges Land, die Wüste blüht in leuchtenden Farben. Gottes Herrschaft kommt mit sanftem Regen, von Flut und Tosen ist nicht die Rede. Gott verwandelt die Welt behutsam, er ist da, wenn alles schön und prächtig wird, wenn die Furcht dem Jubel weichen kann, weil es lebensfördernde Strukturen gibt, retten und erlösen, nicht gefressen werden oder verderben – so ist diese neue Gottes-Welt.

Der Weg – ein Bild, das oft verwendet wird, der heilige Weg ist ein guter Weg, ein Weg der Beziehung zwischen Gott und Mensch und er hat ein Ziel: manchmal wird im 1.Testament der Zion oder die Stadt Jerusalem das Ziel und oft das himmlische Jerusalem, als dort wo alles im Licht Gottes zusammenkommt und alle sich voller Freude treffen. Aber es gehört dazu, dass sie hinziehen, dass sie sich aufmachen, dass sie unterwegs sind – dorthin.

Wege mit Ziel, dem Ziel der Gottesnähe und Freiheit. Der heilige Weg wird von denen gegangen, die das Ziel suchen. Dummkopf klingt hier in unsere Übersetzung etwas merkwürdig, es sind nicht die Unintelligenten, die Dummen und irgendwie behinderten oder eingeschränkten gemeint, sondern, die die sich bewusst von Gott abwenden wollen. Luther übersetzt: “die Thoren”. Eine andere Übersetzung sagt explizit, dass nur die, die zu Gott gehören, diesen Weg beschreiten.

Das Ziel ist Gottes rettendes Handeln, die Erlösung. Ja, Gott handelt gerade an den Erschöpften und müden. Wir müssen nicht alles selbst bewerkstelligen, Gott handelt. Jesaja wirbt um Vertrauen in diese Zuversicht. Gott handelt: in unseren kirchlichen Verhältnissen, Gott handelt in der Klimakrise und Gott handelt im Miteinander zwischen uns Menschen.

Plötzlich entdecke ich Spuren seines Handelns:
Erinnern Sie sich noch, wie wir Frauen uns vor 5 Jahren mit der Reformation beschäftigt haben: Frauen sind ausgebrochen aus dem Kloster, Frauen haben sich für Luthers Lehre eingesetzt, Frauen haben während des 2. Weltkrieges den Pfarrdienst ihrer Ehemänner übernommen und durften danach selbstverständlich wieder in die 2.Reihe zurücktreten, Frauen wurden nicht ordiniert, wenn sie verheiratet waren. Inzwischen wandelt sich vieles. Väter nehmen Teile des Babyjahres in Anspruch, Frauen haben die gleichen Rechte, verdienen aber immer noch deutlich weniger. Gelegentlich höre ich noch Predigten, die dem Pfarrer einen bestimmten Glanz verleihen. Doch ich erlebe den Glanz auch bei der Pfarrerin, der Lektorin. Dagegen liegt doch der Glanz Gottes auf allen, die den heiligen Weg gehen, gleichermaßen.
Ein Beispiel: Mit erheblichen Widersprüchen wurden in den 90-er Jahren aus Diakonenbrüderschaften Schwestern- und Brüderschaften, heute beginnt man ernsthaft nachzudenken, wie das geändert werden kann, wie eine neue Geschwisterschaft heißen kann, um nicht wieder einige auszuschließen oder festzulegen auf das, was sie nicht sind – Bruder oder Schwester, sondern Geschwistermensch. Die alten Diakone tun sich schwer, aber sie wettern nicht laut und lassen sich auf solche Wege ein, auch wenn sie manchmal etwas hinterher tappen.

Jesus hat in seinem Wirken gerade den Randfiguren den Rücken gestärkt: Blinden sehen, Taube hören, Lahme gehen, Stumme verkündigen die Wohltaten Gottes. Gerade für sie ist der heilige Weg da, oder für alle, die Gottes Spuren sehen, Gottes Worte hören, Gottes Wege gehen und Gott loben und preisen. Das Tempo ist nun mal unterschiedlich wie im Sport, die Beweglichkeit in Kopf und Bauch ist halt verschieden. Aber sich bewegen, das tut gut.

Wie sieht das aus? Genau genommen brauchen wir jetzt einen Austausch, wo wir unsere eigen Erfahrungen, eigenen Wünsche und eigenen Hoffnungen einander erzählen können. Ich hoffe, ein wenig ist davon heute in den Gruppen zur Sprache gekommen, und wenn Sie mögen soll jetzt Raum sein, davon zu erzählen. Vielleicht nehmen Sie das heutige einfach in Ihren Herzen mit, das ist genauso richtig.

Bleiben wir auf Gottes Spuren, denn es gibt den heiligen Weg, der uns durch Krisen und Konflikte leitet, der uns vertrauen lässt, dass Gottes rettendes Handeln auch uns befreit zur Gemeinschaft der Heiligen.
Amen.
Nehmen Sie sich etwas Zeit und lesen Sie in Ruhe hier:
erstellt von Stefan Determann am 05.09.2022
veröffentlicht unter: Andachten zum Lesen

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